Ungarn und Slowenien

8 09 2012

Am Dienstag, 4.9., fuhr ich also direkt zum Balaton (deutsch: Plattensee). Dieser ist der grösste Binnensee Mitteleuropas. Ich steuerte das Städtchen Balatonfüred an (ca. 13’000 Einwohner). Auf dem Weg dorthin bin ich per Zufall am ungarischen Sitz der Maxon Motor vorbeigefahren. Loda, dachte ich mir, diese Firma kenne ich doch :). Ich parkierte meinen Bus in der Nähe der Touristeninformation, holte ein Campingplatzprospekt vom Balaton, und fuhr zum nächstgelegenen Campingplatz. Den Nachmittag verbrachte ich im Städtchen. Es ist noch ganz süss, jedoch sehr touristisch ausgerichtet. Balatonfüred ist nämlich bekannt für seine Mineralquelle und für sein mildes Klima – so wird dieser Kurort jährlich von 50’000 Urlaubern besucht. Am nächsten Tag fuhr ich auf die andere Seeseite. Karol hat mir nämlich Siófok empfohlen. Siófok ist mit 25’000 Einwohnern die grösste Stadt am See. Ich hoffte dort einen Sticker mit der ungarischen Flagge zu finden. In Balatonfüred war ich nämlich erfloglos. Es schien schon fast so, als ob meine Stickersammlung eine Lücke haben wird. Alle Läden hatten Magnete, aber keine Sticker… Doch plötzlich wurde ich dann doch noch fündig. Das war glaub der letzte und einzige Aufkleber, den man hier in Siófok noch hatte. Den restlichen Nachmittag genoss ich auf dem Campingplatz direkt am See. Der Balaton ist nicht sehr tief. Seine durchschnittliche Tiefe beträgt 3.25m. Diese geringe Tiefe ermöglicht eine rasche Erwärmung des Wassers. Im Sommer kann der See eine Wassertemperatur bis zu 30°C aufweisen. Das ist dann wohl nicht mehr eine wirkliche Abkühlung. Ich war aber wirklich überrascht wie nieder das Wasser am Ufer ist. Ich konnte sicher 100m in den See hinaus gehen, und war nur bis zur Hüfte im Wasser. So etwas hatte ich noch nie erlebt. Das ist natürlich ein Paradies für Kinder, und die Eltern müssen sich auch weniger Sorgen machen.

Ich zählte die Nächte, die mir noch verbleiben, bis meine Cousine Nadine am 9.9. in Zagreb ankommt. Ich überlegte mir, ob ich noch nach Slowenien fahren soll, oder die restlichen Tage in Ungarn verbringen soll. Ich wusste nicht viel von dieser Umgebung in Ungarn, und wusste darum nicht so recht, ob es noch etwas Interessantes auf dem Weg nach Zagreb geben würde. Hätte es jedoch sicher gegeben. Aaaaaber, als ich einen Blick auf meine super Landkarte warf, stach mir Maribor ins Auge. Maribor, Maribor – da klingelt doch etwas. Ja, genau, dort findet doch ein Frauen Weltcup-Skirennen statt. Winter-Skigebiet = Sommer-Wandergebiet. Mein Entschluss war bald gefasst: Ich fahre weiter nach Maribor.

Am Donnerstag, 6.9., fuhr ich also weiter in das 18. Land meiner Reise – Slowenien. Boah, schon das 18. Land? Ich kann es selber kaum glauben. Ich habe mir im Vorfeld überlegt, ob ich jetzt für Slowenien so eine 7-Tage Autobahnvignette (das ist die kürzeste Dauer) kaufen soll. Kostenpunkt 15 Euro. Ich bin dann schlussendlich direkt nach der Grenze in eine  Tankstelle gegangen, und habe mir so eine Vignette gekauft. Erstens, weil der Weg nach Maribor per Autobahn einfacher war, und Zweitens, weil ich dann auch per Autobahn nach Zagreb fahren möchte. Übrigens, in Kroatien hat es dann Mautstellen :). Habe das jetzt im Vornherein abgeklärt, hihi. Ich fuhr ca. gegen 16.00h auf dem Campingplatz ein. An der Tür der Rezeption hing ein Zettel, dass man erst um 17.00h wieder da sei. Man solle es sich gemütlich machen, und man werde dann vorbei kommen. So habe ich es mir gemütlich gemacht, und informierte mich anhand der aufgelegten Broschüren über die Gegend. Ich wurde dann später freundlich begrüsst, und konnte Einchecken. Der Herr hat mir noch meine Fragen über die Umgebung beantwortet, und dann schaute ich mich etwas in diesem Quartier um. Der Campingplatz liegt ca. 6km nördlich des Stadtzentrums, direkt am Pohorje-Gebirge, wo eben zwei Damen Skiweltcup-Rennen stattfinden (Riesenslalom und Slalom). Am nächsten Morgen startet ich meine Wanderung. Anstatt die Gondel auf den „Berg“ zu nehmen (er ist nur 1’040 m.ü.M), überwindete ich die ca. 700 Höhenmeter zu Fuss. Als ich oben angekommen war, ging ich einen Wander-/Spazierweg entlang. Nach der 4-stündigen Rundtour, erreicht ich wieder die Bergstation der Gondelbahn. Ich stieg in die Gondel und genoss die Fahrt ins  Tal. Ich erfuhr, dass heute noch das WM-Qualifikationsspiel SUI-SLO in Ljubljana stattfindet. Ich bezweifelte, dass es hier in der Gegend eine Bar mit Liverübertragung gibt, und ausserdem war ich zu müde. Die Schweiz hat auch ohne mein Zuschauen gewonnen.

Heute, 8.9., besichtige ich die Stadt  Maribor. Ich marschierte bei sonnigem und warmen Wetter in das 6km entfernte Stadtzentrum. Maribor ist die zweitgrösste Stadt Sloweniens, und gleichzeitig die Hauptstadt der slowenischen Steiermark (Graz (Österreich) liegt nur 60km nördlich). Es hat auch dementsprechend viele Österreicher hier. Ausserdem darf sich Maribor dieses Jahr (2012) die Kulturhauptstadt Europas nennen. Die Stadt hat mir noch gut gefallen. Sie ist sehr grün und vielseitig. Unterhalb des nördlichen Ufers der Drau das Pohorje-Gebirge, und oberhalb des südlichen Ufers die Weinberge. Hier befindet sich die älteste Weinrebe der Welt. Sie wird über 400 Jahre geschätzt. Ich besichtige natürlich diese Rebe, und habe mir im „Haus Der Alten Rebe“ auch ein Glas Weisswein gegönnt :). Ich schaute noch weitere Sehenswürdigkeiten an, wie z.B.: die Domkirche, den Hauptplatz, den Markt, den Stadtpark,…, und genoss das herrliche Wetter.

Das war nun mein letzter Tag, den ich alleine verbracht habe. Ab morgen wird mich meine Cousine Nadine für 3 Wochen begleiten. Das werden vermutlich auch die letzten 3 Wochen meiner Reise sein. Unglaublich, wie schnell die Tage, Wochen und Monate verflogen sind!! Ich freue mich sehr, die restliche Zeit mit Nadine zu erleben. Wir werden durch Kroatien fahren, von dort die Fähre rüber nach Italien nehmen, den „Stiefel“ hoch fahren, et voilà, schon sind wir zurück in der Heimat :). Die Zeit wird sicherlich viel zu schnell vorbei gehen :(. Darum werde ich wohl fast keine Zeit haben, einen Bericht über die letzten Erlebnisse zu schreiben. Das werde ich dann natürlich so schnell wie möglich nachholen – versprochen.

Aaaalso, mechids guäd! Bis scho gliiiiii :)!

peace, Madlene

 

 



Ein Wiedersehen in Bratislava

8 09 2012

Nach diesen zwei Wandertagen ging ich den nächsten Tag etwas ruhiger an. Ein Freund, zu dem später, hat mir gesagt, ich solle unbedingt die Burgruine von Spissky anschauen gehen. Diese Burg ist die grösste Mitteleuropas und gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Also ging ich dort hin, und besichtige die Burg. Sie liegt wunderschön auf einem Hügel. Ich habe mir ein Audiogerät gemietet, und machte so, mit dem Mann im Ohr, eine Rundtour. Zeitgleich waren auch zwei Brautpaare auf der Burg, um Hochzeitsfotos zu schiessen. Ich genoss den sonnigen Nachmittag bei herrlicher Aussicht. Nun kurz zu dem Freund, der mir die Burg empfohlen hatte. Als Mellina und ich vor 2 Jahren eine 3-Städte-Tour gemacht haben (Wien-Bratislava-Budapest), lernten wir in Bratislava Karol kennen. Wir blieben in Kontakt – Facebook sei Dank ;). Etwa einen Monat bevor ich die Slowakei einfuhr, habe ich Karol gefragt, ob er mir irgendwelche Orte in der Slowakei empfehlen könnte. Kurz darauf erhielt ich eine Liste mit Ortschaften und Sehenswürdigkeiten :). Toll, oder?! Er hat mir neben der Burg, auch die Hohe Tatra empfohlen, und eigentlich all die restlichen Orte, die ich nun besucht habe. So muss man ja gar keinen Reiseführer kaufen ;). Etwa Mitte Nachmittag fuhr ich weiter nach Terchova. Diese Ortschaft liegt auch in einer Wandergegend mit waldigen Bergen, oder besser gesagt: Erhebungen. Die Berge sind hier schon nicht mehr so hoch. Während der Fahrt nach Terchova wechselte jedoch das Wetter; von schwül warm, zu schwül nass. Und, was macht man bei Regenwetter? Ja, genau, den Haushalt :). Während ich meine Wäsche gewaschen habe, stoppte der Regen, und ich reinigte den Wohungsboden. Zum Glück musste niemand anderes seine Wäsche waschen, so konnte ich nämlich meine Wäsche in der kleinen Waschküche improvisiert aufhängen. Es hatte nämlich keine Wäscheleinen. Darum spannte ich meine Wäscheschnur vom Fenster um den Boiler, und wieder zum Fenster zurück. Das klappte wunderbar. Glücklicherweise war es in diesem kleinen Raum warm, so konnte ich am nächsten Morgen meine trockenen Kleider von der Leine nehmen. Die Kleiderhänke im Bus wurde mir also erspart :). Leider sah das Wetter am nächsten Morgen nicht viel besser aus. Ich entschied weiter zu fahren. Rajecké Teplice war das Zwischenziel. Dort sah das Wetter etwas besser aus, und ich ging auf eine kurze Wanderung (2h). Bei den letzten 20min. der Strecke setzte der Regen ein. Da aber der ganze Weg mehr oder weniger im Wald war, wurde ich kaum nass. Mein Tagesziel war Trencin, eine mittelgrosse Stadt in der Westslowakei. An Schönheit liegt sie um Längen hinter Bratislava. Die Altstadt ist ganz hübsch, und von der Burg hat man einen herrlichen Überblick über die Stadt. Ansonsten finde ich Trencin jetzt nicht sonderlich attraktiv. Ich verbrachte den Nachmittag dort, und fuhr am nächsten Tag weiter in die Hauptstadt der Slowakei.

Ich habe mit Karol vereinbart, dass ich mich bei ihm melden werde, wenn ich in Bratislava angekommen bin. Das habe ich dann auch gemacht. Wir haben uns am Nachmittag auf einen Drink getroffen. Es war schon noch cool, jemanden zu treffen, den man vor 2 Jahren kennengelernt hatte. Ich meine, wir sahen uns damals genau einmal an diesem Abend im Ausgang. Wir haben über Dieses und Jenes geplaudert. Wir kamen dann so auf das Thema Strassen und Autobahnen. Er sagte dann, ob ich mir eine Vignette gekauft hätte, oder ob ich nie auf der Autobahn gefahren sei. Ich sah ihn mit grossen Augen an. Vignette? Da fing er an zu lachen. Ich erfuhr dann, dass man in der Slowakei, in Österreich (das wusste ich), in Ungarn und in Slovenien eine Autobahnvignette braucht – Ahaaa. Zum Glück sei ich nicht von der Polizei angehalten worden, sonst hätte es eine saftige Busse gegeben (ca. 150 Euro). Ich habe in der Slowakei wirklich nie ein Schild oder so gesehen, das sagt, dass man da eine Vignette braucht. Da hatte ich wohl Glück. Aber ich bin eigentlich auch nicht sooo viel auf Autobahnen gefahren… Wir verabschiedeten uns, und wer weiss, vielleicht sehen wir uns wieder einmal.

Am frühen Abend ging ich dann noch in die Altstadt. Da diese recht übersichtlich ist, kam mir sofort alles wieder bekannt vor. Da ich Bratislava eigentlich schon gesehen habe, verbrachte ich nur eine Nacht in dieser Stadt. Am Mittag des nächsten Tages ging es bereits ins Nachbarland – Ungarn.



Hohe Tatra

1 09 2012

Die zwei Tage in der Hohen Tatra waren einfach hammermässig! Es war richtig schön wieder einmal auf einem Berg zu stehen, und die Aussicht zu geniessen :). Die Umgebung der Hohen Tatra ist einfach traumhaft. Die markanten Berge sind sehr beeindruckend. Der höchste Berg von der Slowakei, „Gerlachovsky stit“ (2‘655 m.ü.M), liegt auch in diesem Gebiet. Diesen kann man jedoch leider nur mit Bergführer besteigen. Wie im vorherigen Bericht erwähnt, habe ich mir eine Wanderkarte vom Gebiet der Hohen Tatra gekauft. Ich studierte am Abend die verschiedenen Wege, und entschied mich schliesslich für folgende Touren:

Tag 1, 30.8.: Eine Rundwanderung zum Lomnicky stit (2‘634 m.ü.M). Immerhin ist die dritthöchste Erhebung in der Hohen Tatra (so glaube ich) zugänglich. Man kann jedoch nicht ganz bis zum Gipfel wandern, sondern nur bis knapp 1‘800 m.ü.M. Das letzte Stück muss mit der Gondelbahn zurückgelegt werden. Total zu wandernde Höhenmeter: ca. 930m

Tag 2, 31.8.: Zum höchsten Berg der Hohen Tatra wandern, der bis zum Gipfel einen Fusspfad hat – Rysy (2‘499 m.ü.M). Leider gibt es dort keine Rundwanderung. Ich muss also den gleichen Weg zurückwandern. Total zu wandernde Höhenmeter: ca. 1‘250m.

Der erste Tag: Ich startete vom Campingplatz aus und wanderte Richtung Startpunkt der Rundwanderung. „Läck, hed das Liit“, dachte ich mir. Im Norden begegnete ich ja oftmals keiner Menschenseele, oder wenn, dann höchstens einer Hand voll Leuten. Hier wimmelte es nur so von Wanderern. Ich begann also meine Tour. Es war eine schöne, mässig anstrengende Route. Schliesslich kam ich dann bei dieser Gondelstation an, die zum Lomnicky stit hochführte. Bei der Ticketkasse war ein Zettel angebracht worden: Today, no tickets left for Lomnicky stit. Sold out. What?!? Ich fragte die Dame an der Kasse, ob es wirklich keine Tickets mehr gäbe. Nein, es gäbe keine mehr, die Tagesanzahl der Tickets sei bereits ausverkauft. Wo gibt’s denn sowas? Pfff! Ich habe mich dann zu einer Alternative entschieden: Neben der Gondelbahn fuhr auch ein Sessellift einen niedereren Gipfel an. Vom Ausstieg des Sesselliftes konnte man dann in ca. 15min. bis zum Gipfel „Velka Lomnicka veza“ (2‘2‘15m.ü.M) wandern. War auch schön. Auf dem Rückweg habe ich sogar noch ein Reh gesehen :). Ich bin am frühen Abend müde beim Campingplatz angekommen. Habe geduscht, etwas gegessen, und dann auf meinem Liegestuhl gechillt und ein Buch gelesen. Während des Tages war es recht warm, aber gegen Abend kühlt es recht schnell ab. Es ist auch bereits um 20.30h stockdunkel :(!

Der zweite Tag: Ich checkte beim Campingplatz aus, und fuhr einige Dörfer weiter, bis ich beim Ausgangspunkt für die heutige Tour ankam. Wieder hatte es viele Leute. Leider sind diese nicht so gesprächig, weil sie kein, oder nur wenig, Englisch sprechen. Es sind hauptsächlich Slowaken, Polen und Tschechen hier. Die Route startete gemächlich. Nach 1.5h wurde es steiler. Der Weg bestand hauptsächlich aus Steinpfaden und Steintritten. So war es auch für den Kopf anstrengend, denn man musste darauf achten, wo man hintritt. Man hätte sich leicht den Fuss vertreten, oder ausrutschen können. Das Hochgehen ging ja noch, mir grauste es bereits wieder denselben steinigen und rutschigen Weg runter zu gehen. Die Gefahr ist ja dann viel grösser auf den Steinen auszurutschen. Diesen Gedanken verdrängte ich aber sofort, jetzt geht’s ja erstmal hinauf. Ca. 45min. vor Gipfel Rysy hatte es eine Hütte (SAC-ähnlich), wo man etwas Essen und Trinken konnte. Ich weiss nicht, ob man dort auch übernachten könnte. Etwas weiter unterhalb der Hütte hatte es einen Wanderwegweiser mit einer Sense und einem Bild mit einem Sensenmann darauf. Der Sensenmann sagte, „be careful!“ Vorsichtig war ich dann auch. Zuoberst auf dem Gipfel hatte man eine schöne Aussicht auf die umliegenden Gipfel und die Bergseen. Rysy ist übrigens ein Grenzberg zwischen Polen und der Slowakei. Man könnte ihn auch von der polnischen Seite her erklimmen. Bevor ich mich wieder auf den Rückweg machte (es hatte auch auf dem Gipfel viele Leute), erlebte ich noch, wie ein junger Mann seiner Freundin einen Heiratsantrag machte. Sie sagte Ja, und er steckte ihr glücklich den Ring an den Finger :). Der Abstieg war dann gar nicht so grausam, wie ich es mir vorgestellt hatte. Man musste einfach gut auf den Untergrund und die Schritte achten, und das ging ganz gut.

Das waren wirklich zwei super Wandertage! Die Hohe Tatra kann ich also nur empfehlen. Man könnte hier locker eine ganze Woche verbringen.

Es grüsset euch, Madlene