Vom Gletscher zu Moschusochsen

3 07 2012

Eigentlich hätte mich ja eine andere Wanderung mehr gereizt. Aber sie meinte, dass dort noch sehr viel Schnee liegen würde… Da ich alleine unterwegs sei, wäre diese Wanderung nicht so ratsam. Ich wollte natürlich nichts riskieren, obwohl ich denke, dass ich andere Leute auf der Strecke getroffen hätte. Die Wanderung zur Gletscherzunge war auch ganz schön. An der Gletscherzunge kam ich mit einem deutschen Paar ins Gespräch. Wir beobachteten, wie einige Gruppen den Gletscher hinaufstiegen. Ich blieb noch eine Weile dort und genoss die Umgebung. Da direkt an der Zunge ein kalter Wind blies, ass ich mein Picknick etwas weiter unten. Das Wetter für den nächsten Tag sah nicht sehr vielversprechend aus. Deshalb entschied ich mich das Jostendal bereits wieder zu verlassen, und in Richtung Geiranger aufzubrechen. Man sagte mir, dass man die Fahrt dorthin nur bei schönem Wetter machen soll. Es gäbe nämlich einige schöne Aussichtspunkte auf den Geirangerfjord. So nutzte ich das schöne Wetter, und fuhr direkt nach der Wanderung weiter. Es war eine anstrengende (sehr kurvenreich), aber sehr schöne Fahrt. Der Blick vom Dalsnibba (1‘450 m.ü.M) in den Geriangerfjord war eindrücklich. Auch der Blick auf die Strasse, die sich den Berg hinunter schlängelt, beeindruckte. Kurz darauf befand ich mich auf dieser Strasse. Man merkte schon, wer sich gewohnt ist kurvenreiche Pass-Strassen zu fahren, und wer nicht. Einige Zeit später bin ich schliesslich in Geiranger angekommen. Auf dem Campingplatz traf ich auf zwei bekannte Gesichter. Ein deutsches Paar, das ich vor zwei Tagen beim Wildcampen kennenlernte. Wir hatten einen kurzen Schwatz. Nach einer erfrischenden Dusche, genoss ich den Abend, und machte mir Gedanken über die nächsten Tage. Ich wusste, dass das Wetter in den nächsten Tagen nicht so toll sein würde. Meine geplante Route führte weiter zum Dovrefjell Nationalpark. Die Wanderung zum Gipfel „Snøhetta“(2‘286 m.ü.M) durch das Reich der Moschusochsen zog mich in dieses Gebiet. Im Dovrefjell leben rund 2‘500 wilde Rentiere und ca. 330 Moschusochsen. Ehrlich gesagt, waren mir diese Moschusochsen vorher gar nicht bekannt. Euch schon? Jedenfalls habe ich dann gelesen, dass man diese Tiere in Norwegen nur im Dovrefjell Nationalpark antreffen kann. Ich fuhr also am fortgeschrittenen Nachmittag in Geiranger ab, um dann gegen Abend im Dovrefjell anzukommen (ca. 4h Fahrt). Es war eine sehr abwechslungsreiche Fahrt. Ich fuhr auf der „Touristenstrasse“. Eine Strasse, die durch schöne Landschaften und an sehenswerten Stellen vorbeiführt (z.B. Trollstigen). In Dombås ging ich noch kurz in ein Tourist Office, um mich über das Wetter zu informieren. Leider sah es schlecht aus – Regen und evtl. Gewitter, sagte man mir :(. Kein gutes Wetter, um alleine durch den Schnee auf den Gipfel „Snøhetta“ zu gehen. Schade Marmelade! So kam Plan B zum Zug: Eine Moschusochsen-Safari. Eine geführte Wanderung durch das Dovrefjell-Gebiet auf der Suche nach Moschusochsen. Obwohl diese Tour keine Gipfelbesteigung vorsieht, beinhaltet sie doch eine Wanderung durch die Gegend und die Möglichkeit Moschusochsen zu sehen. Ist ja auch was. Ich fuhr noch etwas weiter nach Hjerkinn (dort startete nämlich am nächsten Morgen um 10.00h die Tour), und übernachtete wild neben einem älteren dänischen Paar. Ich staune immer wieder, dass viele ältere Leute, und wenn ich von älteren Leuten spreche, bedeutet das 68 Jahre aufwärts, noch mit einem Bus unterwegs sind und irgendwo wild campieren. Sie seien auf der Suche nach speziellen Schmetterlingen, die nur in diesem Gebiet leben…süss, nicht?! Nach einer angenehmen Nacht, traf ich um 9.45h beim Treffpunkt für die Safaritour ein. Per, der Guide, begrüsste mich und bot mir einen Kaffee an. Da sagte ich natürlich nicht Nein. Als wir um 10.00h immer noch zu zweit waren, hatte ich quasi eine private Tour :). Per war sehr nett, und erklärte mir viel über die Moschusochsen, und beantwortete alle meine Fragen. Nach 1.5 Stunden entdeckte er die ersten Moschusochsen in der Ferne – wirklich in der Ferne. Ich konnte knapp einige schwarze Punkte erkennen. Mit dem Fernglas waren sie dann besser ersichtlich. Wir wanderten weiter in ihre Richtung. Auf dem Weg entdeckte Per zwei weitere Moschusochsen. Etwa 200m von uns entfernt. Nun stellte er mir die Wahl etwas näher an diese Moschusochsen heran zu gehen, oder den Weg weiter zu den andern Moschusochsen (dort hatte es 8) fortzufahren. Der Weg dorthin sei vermutlich sehr nass, aber ihm spiele das keine Rolle, ich könne entscheiden. Ich wollte natürlich mehr als nur zwei Tiere sehen. Nach ca. 1h Wanderung, bei der wir beide nasse Füsse bekamen (wir mussten einen Fluss überqueren), waren wir nur noch etwa 60m von fünf Moschusochsen entfernt. Coole Tiere! Per stellte sein Teleskop auf, und ich konnte die Tiere noch etwas genauer betrachten. Er machte für mich noch einige Fotos durch das Teleskop. Wir rasteten in dieser Distanz und assen unseren mitgebrachten Lunch. Plötzlich schoss er auf, und richtete das Teleskop in eine andere Richtung. Wilde Rentiere. Sein geschultes Auge, erkannte sie von einer ungeheuren Distanz. Ohne die Hilfe des Teleskopes hätte ich die Rentiere niemals gesehen. Nun hatte ich alles gesehen, was die Tour versprach. Nach 4h wandern, kehrten wir wieder beim Treffpunkt ein. Das war eine schöne Tour. Zum Glück war ich alleine. Per sagte nämlich, dass er diese Tour nicht mit mehreren Personen gemacht hätte. Vor allem nicht durch solche nasse Gebiete. Bis jetzt sei dies die längste Tour in Kilometern gewesen. Er bedankte sich für die Tour, und wünschte mir noch eine gute Reise.



Raften und Wandern

3 07 2012

Lillehammer war ehrlich gesagt nicht sehr spektakulär. Das Städtchen hat man schnell einmal gesehen, und der Olympiapark ist schön anzuschauen, hat man aber bald einmal gesehen. Auf dem Campingplatz kam ich ins Gespräch mit einer Frau. So erfuhr ich, dass direkt unterhalb des Olympiaparks, auf der Leichtathletikanlage, ein nationaler Wettkampf stattfindet. Das hat mich natürlich interessiert, und so habe dort einige Zeit mit Zuschauen verbracht. Gegen Abend fuhr ich weiter nach Heidal (dort, wo ich Riverraften werde). Ich habe mich entschieden, in der Nähe des Raftinganbieters wild zu campieren. Nach etwas Suchen, habe ich ein schönes Plätzchen gefunden. Und schau her, ich bekam in der Nacht sogar Nachbarn. Da ich das gar nicht mitgekriegt habe, war ich am nächsten Morgen schon etwas überrascht zwei Vans, einen Wohnwagen und drei Zelte vorzufinden. Ich habe einmal mehr tief und fest geschlafen. Um 9.30h war ich beim Sjoa Raftingcenter. Man erklärte mir dann, dass sich die Gruppe, mit der ich eigentlich raften gegangen wäre, abgemeldet habe. Sie hätten mir eine E-Mail geschrieben, aber waren sich nicht sicher, ob ich sie noch lesen würde…- Nein, habe ich nicht. Aaaaber, gestern seien noch zwei Leute aufgetaucht, die auch eine Raftingtour machen wollten. So entschieden sie sich, extra für uns drei, eine kürzere Raftingtour durchzuführen. Diese Tour sei zwar kürzer (und somit auch billiger), beinhalte jedoch die besten Stellen der Tour. Super! Da bin i dabei :). Die zwei anderen Leute waren ein junges norwegisches Päärchen (Tonje und Robert) aus Stavanger. Sie machten gerade einen einwöchigen Roadtrip. Ich habe mich schnell mit ihnen angefreundet. Wir fanden dann heraus, dass wir am kommenden Tag (Dienstag) den gleichen Plan hatten: Den höchsten Berg Norwegens (Galdhøpiggen 2469 m.ü.M) zu erklimmen. So entschieden wir uns, diese Besteigung gemeinsam zu machen :). Zurück zur Raftingtour: Sie war suuuuuuuuper! Schöne Umgebung, idealer Wasserstand, super Stromschnellen und Action. Am Schluss der Tour „surften“ wir noch auf einer Welle, bis sie uns schliesslich aus dem Boot warf. Aaaah, das war erfrischend. Nachdem wir uns umgezogen hatten, konnten wir bei einem Kaffee die Fotos anschauen, die ein Fotograf während der Tour geschossen hatte. Wir haben den USB-Stick mit den Fotos gekauft, und den Preis durch drei geteilt. Als wir zurück zum Parkplatz gingen, stellte Robert mit erschrecken fest, dass er einen platten Reifen hatte. Tonje und er waren mit einem Smart Roadster unterwegs – ohne Ersatzreifen. Der Smart war ohnehin schon mit Gepäck (Zelt, Schlafsäcke, Campingkocher, Kleider, Schuhe) vollgestopft, dass ein Ersatzreifen eh keinen Platz gehabt hätte. Robert hat sich dann in der Rezeption des Raftingcenters erkundigt, wo der nächste Reifenhändler war. Er entfernte den platten Reifen vom Smart, legte diesen in meinen Bus, und wir fuhren alle gemeinsam zu diesem Reifenhändler. Nach 20 min. Fahrt kamen wir dort an. Leider hatte dieser Händler nicht den exakten Reifen an Lager. So musste Robert einen etwas anderen Reifen kaufen. Der Händler versicherte ihm jedoch, dass dieser auch OK sei für sein Auto. Nachdem man den neuen Reifen auf die Felge gelegt hatte, fuhren wir wieder zurück zum Raftingcenter. Die beiden waren sehr dankbar über meine Hilfe, und bestanden darauf, dass ich nichts für unsere Raftingbilder zahlen muss. Ich hätte schliesslich ihre Ferien gerettet, meinten sie. Der Reifen war schnell montiert, und wir fuhren hintereinander nach Lom. Lom ist das Hauptdorf vom Jotunheimen Nationalpark. Tonje und Robert übernachteten in einem Hotel, und ich auf dem Campingplatz. Am nächsten Morgen trafen wir uns um 8.30h, um gemeinsam zum Ausgangspunkt für die Wanderung zu fahren. Dieser Ausgangspunkt war die Juvasshytta. Man darf/sollte den Galdhøpiggen nicht ohne Guide besteigen, da der Weg über einen Gletscher führt. Deshalb finden täglich um 10.00h geführte Touren (Kostenpunkt 200 Kronen, ca. 34 CHF) zum Gipfel statt. Man bekommt ein „Gstältli“ mit Karabinerhacken. Obwohl schlechtes Wetter war (Nebel u. Schneefall), waren wir eine grosse Gruppe. Zuerst wanderten wir über Steinflächen und kleinere Schneefelder. Als wir zum Gletscher kamen, haben wir das Seil in unseren Karabiner eingehängt, und sind in Einerkolonnen den Gletscher hochgewandert. Es waren keine Spalten, oder Eisflächen zu sehen. Nach einer knappen Stunde hatten wir den Gletscher überquert. Wir konnten uns vom Seil lösen, und selbstständig weitergehen. Bis dahin war die Wanderung sehr leicht. Die letzte halbe Stunde ging es dann aber steil hinauf bis zum Gipfel. Die Sonne kam leider nicht zum Vorschein, obwohl es der Wetterbericht versprochen hatte. Es blieb neblig und es fiel weiterhin Schnee. Wir hatten also absolut keine Sicht :(. Jänu. Auch ohne schöne Aussicht, war diese Wanderung ein Erlebnis, und ich kann jetzt sagen, dass ich auf dem höchsten Berg Norwegens war :). Ich habe auch die Zeit mit Tonje und Robert genossen. Das sind wirklich ganz zwei sympathische, junge Leute. Zurück in Lom, haben wir noch gemeinsam einen Kaffee getrunken und etwas geplaudert, bevor sie dann weiter Richtung Dovre fuhren. Ich entschied mich, ein nettes Plätzen in der Nähe zum Wildcampen zu suchen. Da es für den nächsten Tag schönes Wetter gemeldet hatte, wollte ich noch einen anderen Berg (Lomseggen) besteigen. Es war ein herrlicher Tag. Die Wanderung zum Lomseggen war um einiges anstrengender, als die gestrige zum Galdhøpiggen. Es ging sehr steil bergauf. Dafür wurde ich zuoberst mit einem wunderbaren Ausblick belohnt. Da ich nicht gerne zweimal die gleiche Stecke gehe, entschied ich mich den anderen Weg hinunter zu gehen (es führten zwei Wege zum Gipfel). Dies bereute ich später, und war kurz davor umzukehren. Am Anfang war der Weg noch recht gut. Leider kamen mir dann Schneefelder in die Quere, die den Weg bedeckten. Nicht gut. 1. Ich war mit Joggingschuhen unterwegs (ich habe beim Tourist Office gefragt, ob man die Wanderung auch mit Joggingschuhen bewältigen kann, da meine Trekkingschuhe noch nass waren…Sie sagte, dass sei kein Problem.) 2. Ich sah nirgends, wo der Weg wieder aus dem Schnee führte. Soll ich nun die ganze Strecke zurück gehen, und wieder den gleichen Weg nehmen, den ich hoch gekommen bin? Ich war nicht so schlüssig. Irgendwie muss ja dann wieder ein Weg zum Vorschein kommen. Der Weg kann ja nur hinunterführen. Ich ging also langsam dem Schnee entlang hinunter. Immer mit dem Gedanken, dass ich vorsichtig sein muss, da ich ja alleine unterwegs bin. Ich sah mich immer wieder nach diesem roten „T“ um (Wanderwegmarkierung). Endlich entdeckte ich eine Markierung auf einem Stein. Ich musste noch weiter hinabsteigen. Das war sehr mühsam, in diesem rutschigen Gestrüpp und Schnee. Ich war sehr froh, als ich endlich wieder einen festen Weg unter meinen Füssen hatte. Als ich zurück in Lom war, gönnte ich mir ein Milchkaffee und ein Zimtgebäck, in der angeblich besten Bäckerei der Umgebung. Es war auch wirklich seeeehr lecker. Die letzten drei Tage waren wirklich toll!

Der nächste Nationalpark wartete – Jostedalsbreen. Ich fuhr am gleichen Tag dorthin, und liess mich in Tjugen im Jostedal nieder. Ich fragte die Frau an der Rezeption nach Wandervorschlägen. Sie riet mir an eine Gletscherzunge zu wandern, das ich dann auch am nächsten Tag bei strahlendem Wetter gemacht habe. Davon werde ich euch später berichten…

Take care! ~Madlene



Oslo & endlich schönes Wetter

24 06 2012

Am Montagemorgen ging die Reise bereits weiter. Ich wechselte das Land. Die Hauptstadt Norwegens stand auf meinem Routenplan. Einige Kilometer nach der Grenze, ich fuhr auf einer Nebenstrasse nach Norwegen, gab mir das Auto hinter mir rote Lichtsignale. Zollkontrolle. Man fragte mich wohin ich ginge, von wo ich käme, und ob ich etwas zu deklarieren habe. Nachdem ich alles beantwortet hatte, wollte er noch einen Blick in meinem Bus werfen. Ein kurzer Check und ich konnte weiterfahren. Nach einer Fahrzeit von ca. 5.5h, kam ich in Oslo auf dem Campingplatz an. Dieser liegt ca. 9km nördlich von Oslo, nahe am Holmenkollen. Den angebrochenen Nachmittag nutzte ich sogleich, um zum Holmenkollen zu spazieren (ca. 3.5km). Ein eindrückliches Bild diese Skisprunganlage. Gleich neben an hat es auch ein grosses Loipennetz. Es wurde auch fleissig trainiert – halt auf Rollen. Zurück auf dem Campingplatz habe ich mir alle Sachen auf der Stadtkarte eingezeichnet, die ich morgen besichtigen möchte. Es regnete in der Zwischenzeit wieder Bindfäden. Da es aber am nächsten Tag schönes Wetter vorhergesagt hatte, entschied ich mich den Weg in die Stadt zu marschieren. Ich verbrachte einige Zeit im Vigelandsparken, und spazierte dann durch den Schlosspark, und weiter ins Stadtzentrum. Ich habe mir diverse Gebäude angeschaut. Aber nur von aussen. 1., weil der Eintritt viel zu teuer war, und 2. es viel zu schönes Wetter war, um die Zeit in einem Gebäude zu verbringen. Ich ging weiter Richtung Hafen. Dort waren nämlich die Akershusfestung und das Operngebäude. Von dort hatte man eine herrliche Sicht auf den Fjord. Am frühen Abend machte ich mich wieder zu Fuss auf dem Rückweg. Eines kann ich euch sagen: Ich war kaum im Bett, bin ich eingeschlafen.

Nach einem Stadt-Tag war ein Land-Tag an der Reihe. Da man in der Holmenkollenregion (Nordmarka) auch bestens wandern kann, schaltete ich einen Wandertag ein. Ich habe fröhlich meinen Rucksack gepackt, und mich auf die Wanderung gefreut (ich wusste zwar noch nicht ich gehen würde…). Ich wanderte Richtung Holmenkollen, und ging dann weiter der Strasse entlang hinauf. Nach einer Weile fand ich Wegweiser für Wanderungen mit Kilometerangabe. Ich entschied mich zur Nordmarka-Kapelle zu wandern (6km). Ich war fast immer mutterseelenallein. Nur manchmal begegnete ich anderen Wanderern. Ich genoss es jedoch sehr. Herrlich sich in dieser Natur aufzuhalten. Leider war die Nordmarka-Kapelle geschlossen :(. Ich picknickte dort, und wanderte (leider) den gleichen Weg wieder zurück. Da ich weder eine Karte, noch eine andere Orientierungshilfe dabei hatte, wagte ich es nicht, einen anderen Weg zu nehmen. Ich möchte ja schliesslich nicht verloren gehen ;). Handyempfang in den Wäldern hat man übrigens auch fast nie. Nach diesem schönen und mittelwarmen Wandertag (ich konnte sogar meine langen Hosen etwas hochkrempeln), genoss ich eine Dusche, und liess den Abend auf dem Liegestuhl mit einem Buch ausklingen.

Mit Wanderungen ging es nun weiter. Die nächsten paar Wochen werde ich nämlich immer etwa in Nationalparks und Wandergebieten sein. Erster Nationalpark: Hardangervidda (grösste Hochebene Europas). Ich fuhr in ca. 6h nach Lofthus. Ich habe in meinem Reiseführer gelesen, dass es dort ein schöner Wanderweg auf den „Nosi“ gäbe, wo man in die Hardangervidda blicken kann. Ich habe mich für diese eine Wanderung entschieden. Auf der Fahrt bin ich wieder einmal von der Polizei aufgehalten worden. Ich dachte schon „Scheisse, ich bin zu schnell gefahren!“. Die Polizei stellte mir jedoch nur die üblichen Fragen, und ich konnte wieder weiterfahren. Am Ankunftsnachmittag habe ich nicht mehr viel gemacht. Ich habe meinen Liegestuhl hervorgeholt, die Sonne genossen, und die Gegend etwas angeschaut. Endlich richtig waaaarm! Ich konnte endlich einen Nachmittag in kurzen Hosen verbringen :). Wurde ja mal Zeit! Am nächsten Morgen, 22. Juni, gegen 9.30h marschierte ich mit meinem Rucksack am Rücken Richtung Nosi. Ich habe noch an der Rezeption gefragt, ob der Weg beschildert sei. „Ja“, war die Antwort. Gut, dann kann ja nichts schief gehen. Am Anfang waren auch tatsächlich noch Wegweiser. Aber plötzlich habe ich lange einen mehr gesehen. Aber da es nur diesen einen Weg hatte, musste dieser wohl stimmen. Tat er dann auch. Nach knappen 2 Stunden bin ich oben angekommen. Während dem Aufstieg hatte ich eine herrliche Sicht auf den Hardangerfjord. Nun hatte ich eine eher knappe Sicht in das Hardangervidda. Das hatte ich mir schon anders vorgestellt. Auf dem Rückweg bin ich dann anderen Wanderern begegnet, die mich fragten, wie weit es noch sei… Zurück auf dem Campingplatz habe ich auf dem Liegestuhl etwas relaxed und die Sonne genossen. Am späteren Abend entdeckte ich einen Urner VW-Bus auf dem Campingplatz. Mein Obwaldner-Kennzeichen muss ihnen wohl auch aufgefallen sein, da kurze Zeit später Martin bei mir vor dem Bus vorbeispazierte, und „Hallo“ sagte. Martin und Yvonne sind seit 6 Wochen unterwegs (Schweden hoch, Norwegen hinunter). In zwei Wochen müssen sie wieder zurück in der Schweiz sein. Die Arbeit ruft. Wir haben dann von unseren Reiseerlebnissen berichtet, und ich habe sie eingeladen doch später zu einem „Zwätschgä“ vorbei zu kommen. Wir verbrachten einen gemütlichen Abend zusammen. Es war schön wieder einmal Schweizer zu treffen. Ich habe es genossen.

Ein weiterer Tag mit einem langen Weg stand auf dem Routenplan. Lofthus – Lillehammer (5¼ h, 336km).

Jetzt bin ich in Lillehammer. Hier gibt es den (oder das? – ich weiss es nicht) Maihaugen, und den Olympiapark zu besichtigen. Lillehammer war ja der Austragungsort der Olympischen Winterspiele 1994. Im Jahr 2016 werden die Winter Youth Olympics hier stattfinden. Als ich ankam, war gerade noch ein Markt im Gange. Kleider, Schmuck, Käse, Fleisch, Süsswaren und jegliche andere Esswaren konnte man dort kaufen. Ich habe mir einen schönen Holzring gekauft :). Heute Abend werde ich dann Richtung Heidal aufbrechen, und irgendwo wild campieren. Morgen, 25.6., gehe ich nämlich Riverraften in der Sjoa. Ich habe gelesen, dass der Fluss Sjoa das Zentrum des norwegischen Wassersports ist. Hier werden Weltmeisterschaften, sowie nationale und internationale Wettbewerbe ausgetragen. Freue mich jetzt schon auf morgen!

~Madlene

Kilometerstand 24. Juni: 14‘250km