Raften und Wandern
3 07 2012Lillehammer war ehrlich gesagt nicht sehr spektakulär. Das Städtchen hat man schnell einmal gesehen, und der Olympiapark ist schön anzuschauen, hat man aber bald einmal gesehen. Auf dem Campingplatz kam ich ins Gespräch mit einer Frau. So erfuhr ich, dass direkt unterhalb des Olympiaparks, auf der Leichtathletikanlage, ein nationaler Wettkampf stattfindet. Das hat mich natürlich interessiert, und so habe dort einige Zeit mit Zuschauen verbracht. Gegen Abend fuhr ich weiter nach Heidal (dort, wo ich Riverraften werde). Ich habe mich entschieden, in der Nähe des Raftinganbieters wild zu campieren. Nach etwas Suchen, habe ich ein schönes Plätzchen gefunden. Und schau her, ich bekam in der Nacht sogar Nachbarn. Da ich das gar nicht mitgekriegt habe, war ich am nächsten Morgen schon etwas überrascht zwei Vans, einen Wohnwagen und drei Zelte vorzufinden. Ich habe einmal mehr tief und fest geschlafen. Um 9.30h war ich beim Sjoa Raftingcenter. Man erklärte mir dann, dass sich die Gruppe, mit der ich eigentlich raften gegangen wäre, abgemeldet habe. Sie hätten mir eine E-Mail geschrieben, aber waren sich nicht sicher, ob ich sie noch lesen würde…- Nein, habe ich nicht. Aaaaber, gestern seien noch zwei Leute aufgetaucht, die auch eine Raftingtour machen wollten. So entschieden sie sich, extra für uns drei, eine kürzere Raftingtour durchzuführen. Diese Tour sei zwar kürzer (und somit auch billiger), beinhalte jedoch die besten Stellen der Tour. Super! Da bin i dabei :). Die zwei anderen Leute waren ein junges norwegisches Päärchen (Tonje und Robert) aus Stavanger. Sie machten gerade einen einwöchigen Roadtrip. Ich habe mich schnell mit ihnen angefreundet. Wir fanden dann heraus, dass wir am kommenden Tag (Dienstag) den gleichen Plan hatten: Den höchsten Berg Norwegens (Galdhøpiggen 2469 m.ü.M) zu erklimmen. So entschieden wir uns, diese Besteigung gemeinsam zu machen :). Zurück zur Raftingtour: Sie war suuuuuuuuper! Schöne Umgebung, idealer Wasserstand, super Stromschnellen und Action. Am Schluss der Tour „surften“ wir noch auf einer Welle, bis sie uns schliesslich aus dem Boot warf. Aaaah, das war erfrischend. Nachdem wir uns umgezogen hatten, konnten wir bei einem Kaffee die Fotos anschauen, die ein Fotograf während der Tour geschossen hatte. Wir haben den USB-Stick mit den Fotos gekauft, und den Preis durch drei geteilt. Als wir zurück zum Parkplatz gingen, stellte Robert mit erschrecken fest, dass er einen platten Reifen hatte. Tonje und er waren mit einem Smart Roadster unterwegs – ohne Ersatzreifen. Der Smart war ohnehin schon mit Gepäck (Zelt, Schlafsäcke, Campingkocher, Kleider, Schuhe) vollgestopft, dass ein Ersatzreifen eh keinen Platz gehabt hätte. Robert hat sich dann in der Rezeption des Raftingcenters erkundigt, wo der nächste Reifenhändler war. Er entfernte den platten Reifen vom Smart, legte diesen in meinen Bus, und wir fuhren alle gemeinsam zu diesem Reifenhändler. Nach 20 min. Fahrt kamen wir dort an. Leider hatte dieser Händler nicht den exakten Reifen an Lager. So musste Robert einen etwas anderen Reifen kaufen. Der Händler versicherte ihm jedoch, dass dieser auch OK sei für sein Auto. Nachdem man den neuen Reifen auf die Felge gelegt hatte, fuhren wir wieder zurück zum Raftingcenter. Die beiden waren sehr dankbar über meine Hilfe, und bestanden darauf, dass ich nichts für unsere Raftingbilder zahlen muss. Ich hätte schliesslich ihre Ferien gerettet, meinten sie. Der Reifen war schnell montiert, und wir fuhren hintereinander nach Lom. Lom ist das Hauptdorf vom Jotunheimen Nationalpark. Tonje und Robert übernachteten in einem Hotel, und ich auf dem Campingplatz. Am nächsten Morgen trafen wir uns um 8.30h, um gemeinsam zum Ausgangspunkt für die Wanderung zu fahren. Dieser Ausgangspunkt war die Juvasshytta. Man darf/sollte den Galdhøpiggen nicht ohne Guide besteigen, da der Weg über einen Gletscher führt. Deshalb finden täglich um 10.00h geführte Touren (Kostenpunkt 200 Kronen, ca. 34 CHF) zum Gipfel statt. Man bekommt ein „Gstältli“ mit Karabinerhacken. Obwohl schlechtes Wetter war (Nebel u. Schneefall), waren wir eine grosse Gruppe. Zuerst wanderten wir über Steinflächen und kleinere Schneefelder. Als wir zum Gletscher kamen, haben wir das Seil in unseren Karabiner eingehängt, und sind in Einerkolonnen den Gletscher hochgewandert. Es waren keine Spalten, oder Eisflächen zu sehen. Nach einer knappen Stunde hatten wir den Gletscher überquert. Wir konnten uns vom Seil lösen, und selbstständig weitergehen. Bis dahin war die Wanderung sehr leicht. Die letzte halbe Stunde ging es dann aber steil hinauf bis zum Gipfel. Die Sonne kam leider nicht zum Vorschein, obwohl es der Wetterbericht versprochen hatte. Es blieb neblig und es fiel weiterhin Schnee. Wir hatten also absolut keine Sicht :(. Jänu. Auch ohne schöne Aussicht, war diese Wanderung ein Erlebnis, und ich kann jetzt sagen, dass ich auf dem höchsten Berg Norwegens war :). Ich habe auch die Zeit mit Tonje und Robert genossen. Das sind wirklich ganz zwei sympathische, junge Leute. Zurück in Lom, haben wir noch gemeinsam einen Kaffee getrunken und etwas geplaudert, bevor sie dann weiter Richtung Dovre fuhren. Ich entschied mich, ein nettes Plätzen in der Nähe zum Wildcampen zu suchen. Da es für den nächsten Tag schönes Wetter gemeldet hatte, wollte ich noch einen anderen Berg (Lomseggen) besteigen. Es war ein herrlicher Tag. Die Wanderung zum Lomseggen war um einiges anstrengender, als die gestrige zum Galdhøpiggen. Es ging sehr steil bergauf. Dafür wurde ich zuoberst mit einem wunderbaren Ausblick belohnt. Da ich nicht gerne zweimal die gleiche Stecke gehe, entschied ich mich den anderen Weg hinunter zu gehen (es führten zwei Wege zum Gipfel). Dies bereute ich später, und war kurz davor umzukehren. Am Anfang war der Weg noch recht gut. Leider kamen mir dann Schneefelder in die Quere, die den Weg bedeckten. Nicht gut. 1. Ich war mit Joggingschuhen unterwegs (ich habe beim Tourist Office gefragt, ob man die Wanderung auch mit Joggingschuhen bewältigen kann, da meine Trekkingschuhe noch nass waren…Sie sagte, dass sei kein Problem.) 2. Ich sah nirgends, wo der Weg wieder aus dem Schnee führte. Soll ich nun die ganze Strecke zurück gehen, und wieder den gleichen Weg nehmen, den ich hoch gekommen bin? Ich war nicht so schlüssig. Irgendwie muss ja dann wieder ein Weg zum Vorschein kommen. Der Weg kann ja nur hinunterführen. Ich ging also langsam dem Schnee entlang hinunter. Immer mit dem Gedanken, dass ich vorsichtig sein muss, da ich ja alleine unterwegs bin. Ich sah mich immer wieder nach diesem roten „T“ um (Wanderwegmarkierung). Endlich entdeckte ich eine Markierung auf einem Stein. Ich musste noch weiter hinabsteigen. Das war sehr mühsam, in diesem rutschigen Gestrüpp und Schnee. Ich war sehr froh, als ich endlich wieder einen festen Weg unter meinen Füssen hatte. Als ich zurück in Lom war, gönnte ich mir ein Milchkaffee und ein Zimtgebäck, in der angeblich besten Bäckerei der Umgebung. Es war auch wirklich seeeehr lecker. Die letzten drei Tage waren wirklich toll!
Der nächste Nationalpark wartete – Jostedalsbreen. Ich fuhr am gleichen Tag dorthin, und liess mich in Tjugen im Jostedal nieder. Ich fragte die Frau an der Rezeption nach Wandervorschlägen. Sie riet mir an eine Gletscherzunge zu wandern, das ich dann auch am nächsten Tag bei strahlendem Wetter gemacht habe. Davon werde ich euch später berichten…
Take care! ~Madlene
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