Estland mit heimischem Besuch

15 08 2012

Am 9. August um 11.30h ging ich auf die Fähre von Helsinki nach Tallinn. In der Fährkolonne habe ich einen älteren Portugiesen kennengelernt. Er war direkt hinter mir mit seinem Reisebus. Da sich die Länderflaggen an meiner hinteren Autotür häufen, erregt der Bus auch immer mehr Aufsehen. Ich habe jetzt schon einige Male beobachtet, dass man über meinen Bus gesprochen hat, oder dass man ihn beim Vorbeigehen genau studiert hat. Das ist noch amüsant. Auf jeden Fall hat mich dann dieser Portugiese auf diese Flaggen angesprochen, und so kamen wir ins Gespräch… Das Fährschiff war noch grösser, als die bisherigen Fährschiffe. Es hatte unter anderem eine Karaokebar, in der vor allem die älteren Personen ein Lied zum besten gaben. Lustig zum Zuhören und Zuschauen :). Nach 2.5 Stunden Fahrt ist das Fährschiff in Tallinn angekommen. Ich hatte mich nämlich entschieden, einen Tag früher nach Tallinn zu gehen (Annelis kam ja erst am 10.8. an), um noch etwas in östliche Richtung zu fahren. Schlussendliche landete ich in Käsmu. Diese Ortschaft liegt im Lahemaa Nationalparkt und ist direkt am Meer. Lustigerweise habe ich dort gleich nacheinander zwei Schweizerpaare getroffen. Die einen waren vom Thurgau, und die anderen von St. Gallen. Die Thurgauerinnen sind dann wieder weitergefahren, und die St. Galler Ehepaar haben sich dann entschlossen, neben mir wild zu campen. Ich dachte zuerst, dass das Wild-Campen jetzt nicht mehr erlaubt sei, aber die Thurgauerinnen haben mir dann gesagt, dass man das in Estland noch darf, und es auch ungefährlich sei. Gut :)! Es war echt super, dass ich diese Schweizer getroffen habe, denn sie kamen direkt von Poland und Litauen, und konnten mir so auch noch einige Ratschläge und Hinweise geben. Mittlerweile habe ich gar keine Bedenken mehr durch das Baltikum und Polen zu reisen. Natürlich immer noch mit einem wachen Menschenverstand. Ich bin dann am nächsten Morgen von den zwei St.Galler noch zum Kaffee eingeladen worden, bevor es für mich weiter an die russische Grenze ging. Mein Ziel war die Grenzstadt Narva. Über 90% der 70’000 Einwohner sind Russen. Symbolhaft stehen sich hier direkt am Fluss „Narva“ zwei mächtige mittelalterliche Festungen gegenüber. Auf estnischer Seite die Festung „Hermannsfeste“ und auf der Russischen „Burg Ivangorod“. Es war schon ein eindrückliches Bild. Ich war nur einige Meter von der russischen Grenze entfernt. Die Einwohnerzahlen sagen es ja bereits: Narva hat einen sehr russischen Touch. Man sieht und spürt den russischen Einfluss. Nach einiger Zeit musste ich mich bereits wieder auf den Rückweg machen. Ich musste ja zurück nach Tallinn. Es war aber natürlich kein Müssen, wenn man dort eine Freundin in Empfang nehmen kann :). Ich fuhr zuerst auf den Campingplatz, um einzuchecken, und um zu fragen, ob es besser wäre mit öffentl. Verkehrsmitteln zum Flughafen zu gelangen. Das junge Fräulein sagte dann, dass es mit dem Auto kein Problem sei, und zeichnete mir den besten Weg auf der Karte ein. Auf dem Campingplatz traf ich wieder auf einen alten Bekannten – der Portugiese von der Fähre war auch noch in Tallinn. Wir schwatzten etwas, und dann machte ich mich auf den zum Flughafen. Ich habe mich auch diesen Besuch extreeeem gefreut. Irgendwie war es auch komisch. Man hat ja schon so lange davon gesprochen, und gesagt, jetzt geht es nur noch 2 Monate, noch einen Monat, noch eine Woche, und jetzt war Annelis schon da. Juhuuuu :)! Wir fuhren zurück zum Campingplatz, und richteten unser Heim ein. Wir kochten uns noch etwas zu Abendessen, redeten, lachten, redeten und lachten :). Annelis sagte mir dann, sie habe mir noch einige Sachen aus der Schweiz mitgebracht. Ich wusste, dass da sehr wahrscheinlich Schokolade dabei sein wird, da ich mir Schokolade gewünscht hatte. Nicht nur für mich, sondern auch als Dank oder als Bezahlungsmittel gedacht, wenn es nötig wäre :). Annelis packte da Sachen aus ihren Koffer, ich konnte es kaum fassen! Mein Mami hat ihr auch noch einiges mitgegeben. Dankääääääää viel, vielmal Mami! Ich ha mich meeeega gfräid!! Schlussendlich war mein Tisch voll mit Schokolade, Chräpfli, Cervelat, Landjäger, Greyerzer, Biberli, Ovoriegel und Müesli. Leckaaaaaa :)! Die Stunden vergingen nur so, und wir machten uns dann mal bettfertig. Ich hatte schon etwas Bedenkten mit der Schlafsituation. Annelis ist doch ein Stück grösser als ich, und die Liegefläche ist nunmal nur 1.5×1.5m. Wenn man allein ist, reicht das völlig, und auch mit einen bisherigen Gästen war es ok. So hoffte ich, dass Annelis gut schlafen wird. Es sind ja nur zwei Nächte, die wir zusammen im Bus verbringen werden. In Riga, wenn dann Regula zu uns stösst, werden wir in ein Hostel gehen. Zu Dritt im Bus ist dann schon etwas gar eng. Diese zwei Nächte im Bus gingen auch recht gut, obwohl ich denke, dass Annelis froh war, nicht viel länger im Bus übernachten zu müssen. Am Samstagmorgen nach dem Frühstück (mit schweizer Müesli) spazierten wir am Meer entlang in Tallinns Altstadt. Es ist eine charmante, mittelalterliche Stadt. Es führen viele enge verwinkelte Kopfseinpflastergassen durch das Städtchen. Auf den Plätzen hatte es Marktstände, und es herrscht ein buntes Treiben. Wir schlenderten durch die Gassen, gingen in die kleinen Lädelchen, und probierten diverse lokale Produkte an den Marktständen. Das ist doch immer das Beste an einem Markt ;). Am frühen Abend assen wir dann in der „Olde Hansa“. Das war wie Essen und Trinken im Mittelalter: rustikale Einrichtung, das Personal trug mittelalterliche Kleidung,  und das Geschirr war aus Ton. Wir bestellten beide das Bürgermeistermenu und ein traditionelles Honigbier. Zum Einstieg bekamen wir einen Beerenschnaps offeriert. Dieses Menu bestand aus Elch- und Wildschweinfleisch an einer Pilzrahmsauce, caramelisiertem Sauerkraut, speziellem Reis, Johannisbeeren und einem Käseküchlein. Und es war so guuuuuuuuuut! Wir teilten uns zum Dessert noch einen Rosenpudding. Eine Sage besagt, dass man immer Jung aussehen wird, wenn man von diesem Rosenpudding isst. Jetzt müssen wir nur noch abwarten, und sehen ob’s gewirkt hat ;). Da wir nur eine Nacht auf dem Campingplatz gebucht hatten, fuhren wir am Abend noch weiter. Ich habe in meinem Reiseführer gelesen, dass es 40km westlich von Tallinn eine schöne Steilküste hat. So sind wir in Richtung dieser Steilküste aufgebrochen, und haben unterwegs wild gecampt. Und schon stand der Sonntag vor der Türe. Regula wird um 18.00h in Riga landen. Wir hatten also einige Stunden Zeit, um von Tallinns Umgebung nach Riga zu gelangen. Wir fuhren nach Richtung Pärnu, und von dort der Küste entlang nach Lettland. In Salacgriva machten wir einen Stopp, und gingen an den Strand. Leider war kein Badewetter :(. Um ca. 17.30h kamen wir beim Flughafen an. Lieber zu früh, als zu spät. Der Flieger landete pünktlich, und schon bald trat Regula durch die Ankunftstüren. Es war unser zweites Wiedersehen (sie besuchte mich ja bereits im April/Mai für 3 Wochen). So stiegen wir zu Dritt in den Bus und machten uns auf die Suche nach unserem Hostel. Juhuuuuu! Riga, wir kommeeeeen! 🙂



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