zurück in Lettland
23 08 2012Ich erreichte Cesis am Vormittag. Nach einem Spaziergang im Städtchen, besuchte ich den Markt. Es gab da nicht viel zu sehen. Überall das gleiche Angebot: Schuhe und Kleider. Es gab noch einen Backwarenstand, der von Wespen gut besucht war. Ich fuhr etwas ausserhalb von Cesis, um eine kurze Rundwanderung zu machen. Auf dieser leichten Wanderung lernte ich zufällig Zoe kennen. Sie wusste nicht so recht, wo der Weg lang ging, und ich schon! 🙂 Ich habe nämlich die Übersichtskarte am Infoboard mit dem Natel fotografiert. Nicht, dass ich wieder fast verloren gehe ;). So wanderten Zoe und ich den restlichen Weg zusammen. Zoe ist auch alleine unterwegs, und kommt aus Australien. Sie ist durch Polen und Litauen gereist, reist nun durch Lettland, geht dann weiter nach Estland, und fliegt von Tallinn wieder zurück nach Australien. Das fand ich noch speziell, dass eine Australierin diese Reiseziele wählt, und mit öffentlichen Verkehrsmitteln reist. Es klappe soweit ganz gut, meinte sie. Nach der Wanderung verabschiedeten wir uns voneinander. Ich fuhr gegen den späteren Nachmittag weiter nach Sigulda, das touristische Zentrum des Nationalparks. Da holte ich mir ja einige Tage zuvor im Touristoffice Broschüren über die Gegend. Ich fuhr trotzdem nochmal beim Touristoffice vorbei, um etwas zu fragen. Sie sagte am Schluss noch etwas über ein lettisches Konzert, das an diesem Abend in der Burgruine stattfindet. Ich fuhr anschliessend zum Campingplatz weiter, der direkt am Gauja-Fluss liegt. Es war so ein sonniger und warmer Tag, dass ich meine Badesachen inkl. Buch packte, und zum kleinen Strandabschnitt am Fluss ging. Aaah, war das schön einfach am Strand zu liegen, sich von der Sonne wärmen zu lassen, und in einem Buch zu lesen. Am Abend ging ich dann an dieses Konzert. Ich habe zwar kein Wort verstanden, da alles auf Lettisch war, aber es war ganz gut. Das 2-stündige Konzert von 3 Männern (Hauptsänger) und 4 Frauen (Nebenstimmen) kostete mich schlappe 5.40 CHF. Am nächsten Morgen, 19.8., auf dem Campingplatz sprach mich eine Frau vor der Rezeption in Englisch an, ob ich wisse, wo sie sich für die Kajaktour melden müsse. Sie habe sich gestern per Telefon angemeldet. Es war 9.30h. Da die Rezeption erst um 10.00h öffnete, war noch niemand da. So sagte ich ihr, dass sie wohl bis um 10.00h warten müsse. Ich fragte sie nach dieser Kajaktour, da es mich so spontan auch noch gereizt hätte. Ellen, so hiess diese Frau nämlich, erklärte mir, dass man hier ein Kajak mieten kann, man nach Ligatne chauffiert wird, wo man dann die 24km im Gauja-Fluss zurück zum Campingplatz in Sigulda paddelt. Leider gäbe es keine Einzelkajaks, und man zahle pro Boot, nicht pro Stunde. Da sie alleine reise, sei das jetzt etwas blöd, da es so etwas teuer sei alleine ein Boot zu mieten. Aber jetzt habe sie ja mich getroffen, und ich könne ja mitkommen. Da sagte ich spontan zu :). Ellen freute sich extrem, dass ich sie so spontan begleiten werde. Und natürlich auch, dass sich die Mietkosten des Kajaks halbierten :). Während dem Paddeln lernten wir uns etwas besser kennen. Ellen kommt ursprünglich aus Michigan (USA), lebt jetzt aber seit 7 Jahren in Hongkong. Dort arbeitet sie in einer lokalen Schule als Englischlehrerin. Sie verbringt nun ihre Sommerferien in der Mongolei, in Russland, Lettland und Estland. Es war interessant uns gegenseitig von unseren Erlebnissen zu berichten. Ich weiss nicht, wie alt Ellen ist, aber ich schätze sie 34 Jahre. Sie ist schon weit herumgekommen – besonders in Indien und allg. Asien. Als wir nach ca. 4h gemütlichem Paddeln und Lunchbreak am Campingplatz ankamen, beschlossen wir noch die Bischofsburg Turaida zusammen zu besichtigen. Das ist die meistbesichtigte Sehenswürdigkeit in Lettland, habe ich gehört. Nachher gings noch zur Gütmana ala (Gutmannshöhle). Diese Grotte ist die grösste Höhle im Baltikum und die älteste Sehenswürdigkeit in Lettland. (Aber im Fall nichts Spezielles). Das war wirklich ein super Tag! Ellen hat mich noch nach Hongkong eingeladen. Ich müsse einfach in den nächsten zwei Jahren kommen, da ihr Vertrag nur noch so lange daure, und sie nicht wisse, ob sie diesen nochmals verlängern werde. Klingt verlockend :)! Wir haben uns dann verabschiedet. Sie hatte nämlich in gegengesetzter Richtung, in die ich ging, ein Zimmer in einem Hostel. Auf dem Parkplatz, wo mein Auto stand, hörte ich, wie eine junge Frau mit ihrer Mutter am Kiosk fragte, wie sie am besten nach Sigulda kommen. Da ich ja eh nach Sigulda fuhr, sprach ich die zwei Frauen an, und sagte, sie könnten mit mir fahren. So fuhren wir zu Dritt zurück nach Sigulda (5km). Es handelte sich um zwei Litauerinnen, die hier ausserhalb von Sigulda auf einem Campingplatz waren. Ich sagte ihnen, dass ich bald nach Litauen reisen werde. Als die Beiden beim Supermarkt ausstiegen, bedankten sie sich vielmals, und die junge Frau (ca. 22 Jahre) gab mir ihre Nummer – Falls ich irgendwelche Probleme, oder Hilfe bräuchte in Litauen, soll ich sie einfach anrufen. Ich genoss die super Abendstimmung zuoberst auf dem Turm der mittelalterlichen Burg. Der Sonnenuntergang war magisch. Nach einiger Zeit gesellten sich zwei Burschen dazu. Wir kamen ins Gespräch…es stellte sich heraus, dass sie zwei Tschechen waren, die mit dem Vater des einen (also insgesamt zu Dritt) eine 9-tägige Reise durch das Baltikum machten. Auch mit einem Bus, der aber etwas kleiner ist als meiner, und nur zum Fahren und Schlafen gebraucht wird. Wir erzählten von unseren Reisen und was wir sonst so im normalen Leben machen. Die Jungs fragten mich nach meinem Alter. Wenn mich jemand nach meinem Alter fragt, fordere ich immer eine Schätzung. Es nimmt mich immer wieder Wunder, was die Leute so schätzen. Ich war schon zwischen 20 und 27 Jahre alt. 90% der Personen haben mich bis jetzt immer zu jung geschätzt. Ich spasse dann, indem ich sage, dass mich halt die gute Schweizer Bergluft jung hält… :). Die Jungs schätzten mich 19! Ein neuer Rekord, hahaha! In der Zwischenzeit war über eine Stunde vergangen. Der Vater rief an, und kam mit dem Auto vorbei. Sie fuhren noch in der Nacht weiter nach Estland, wo sie dann eine Schlafstelle finden wollten. Ich fuhr zurück zum Camping, und schlief schon bald ein.
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