Belgien – extreme Gastfreundschaft
26 05 2012Belgien – ebenfalls ein Land, von dem wir kein grosses Wissen hatten. Aber dieses Land sollte uns in seeeehr guter Erinnerung bleiben :). Wir fuhren nach Geraardsbergen, wo wir eine alte Kollegin, Lut, von meinem Mami besuchten. Ich kannte Lut und ihr Mann Willy nur von Briefen, Fotos und dem Weihnachtspaket, das wir jedes Jahr erhielten (oder immer noch erhalten). Regula und ich waren wieder etwas aufgeregt, und hofften, dass wir keine grosse Schwierigkeiten haben werden, das Haus zu finden. Aber wir waren ein super Team. Es gab nichts, was wir nicht finden konnten :). Als wir in die Einfahrt einfuhren, kam uns bereits Lut mit offenen Armen entgegen. Sie erfreute sich sichtlich an unserem Besuch. Nach einer herzlichen Begrüssung, erfuhren wir, dass Willy ab heute pensioniert ist. Ausserdem sagte mir mein Mami noch per Mail, dass Lut am folgenden Tag ihren Geburtstag feiern wird. Das war uns doch nirgends recht, dass wir an diesen speziellen Tagen einfach so hereinplatzten. Aber Lut und Willy freuten sich, diese Tage mit uns zu verbringen. Wir plauderten über Dieses und Jenes und sahen uns alte Fotos an. Ich musste schon schmunzeln, als ich mein Mami und mein Gotti in jungen Jahren sah. Lut erzählte mir mit strahlenden Augen von dieser Zeit…Später wurden wir zu Tisch gebeten, und es wurde uns eine belgische Spezialität aufgetischt. Mhmmmm! Gegen Mitternacht gingen wir dann langsam zu Bett. Das erste Mal, dass Regula und ich nicht im gleichen Raum schliefen. Am nächsten Morgen (Lut’s Geburtstag) besuchten wir mit ihnen eine Mozartmesse. Das war ein Gottesdienst mit musikalischer Begleitung. Anstatt den normalen Gebetsliedern, umrahmte ein Orchester mit einem Chor zusammen die Messe mit Mozartliedern. Eine Freundin von Lut sang im Chor mit, und deshalb gingen wir in diese Mozartmesse. Anschliessend lud uns diese Freundin, Lydia, auch gleich zum Apéro ein. Danach gings zurück zum Haus, wo es Lunch gab. Am Nachmittag besuchten wir einige schöne Plätze in Geraardsbergen. Die Sonne scheinte, und wir genossen den wunderschönen Nachmittag. Auf dem Nachhausweg machten wir noch einen Stopp bei Lut’s Mutter. Sie ist 94 Jahre alt, und lebt noch immer alleine in ihrer Wohnung. Lut und ihre Schwester erledigen die Einkäufe, kochen und helfen beim Putzen. Die Oma hatte Freude, Besuch aus der Schweiz zu haben. Sie ist noch „rüstig“, und machte einen fitten Eindruck. Als wir dann ein Foto machen wollten, sagte sie ganz verlegen, dass wir keine Fotos machen sollen, sie hätte noch keine Zeit gehabt zum Frisör zu gehen, und warf die Hände vor das Gesicht :). Auch im Alter hat man eine gewisse Eitelkeit, hehe.
Am Vorabend haben wir Lut gesagt, dass wir sie an ihrem Geburtstag gerne bekochen würden, wenn sie nicht schon andere Pläne für den Abend haben würde. Gerne nahm sie unser Angebot an. Ihr könnt euch ja schon vorstellen, was wir Lut und Willy auftischten. Ja, genau: Älplermagronä mit Apfelmus. Ihnen schmeckte es so gut, dass ich Lut das Rezept aufschreiben musste/durfte. Schon wieder war ein Tag vergangen, und wir krochen zufrieden unter die Bettdecke. Brüssel stand auf dem nächsten Tagesprogramm. Lut fuhr uns freundlicherweise zum Bahnhof in Geraardsbergen, wo wir den Zug Richtung Brüssel bestiegen. Die Fahrt dauerte eine Stunde, glaube ich. Bin mir jetzt nicht mehr ganz sicher… Leider hatten wir dieses Mal kein Wetterglück. Es war bis ca. um 14.00 Uhr trocken, aber dann regnete es pausenlos. Doch der Regen trübte die Schönheit der Stadt nicht. Da Brüssel sehr weitläufig ist, haben wir uns entschieden, ein Tagesticket für einen dieser Touristenbussen zu lösen. Das erste Mal, dass wir eine Stadt nicht nur zu Fuss erkunden. Die Stimme im Ohr beschrieb uns dann die verschiedenen Gebäude und Skulpturen beim Vorbeifahren. Wir stiegen aus, erkundeten etwas die Umgebung, und stiegen beim nächsten Bus wieder ein. So verbrachten wir einen schönen Tag in Brüssel. Obwohl mir Brüssel gefallen hat, hat sie es nicht in die Top 3 meiner „favorite cities“ geschafft. Das sind immer noch: Barcelona, Lissabon und San Sebastian. Willy holte uns am Abend am Bahnhof in Geraardsbergen ab. Bald darauf gab es das Abendessen. Wieder eine Landesspezialität – belgische Fritten. Weder Regula, noch ich haben je etwas von diesen Pommes-Frites gehört. Es sind selbst gemachte, seeeehr leckere Pommes. Regula konnte fast nicht genug davon kriegen ;). Dazu gab es einen schmackhaften Fisch mit Gemüse. Wir liessen den letzten Abend bei den überaus gastfreundlichen und sympathischen „Gasteltern“, Lut und Willy, mit einem „Zwätschgä“ ausklingen. Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück, räumten wir unser Hab und Gut wieder in den Bus ein. Beim Abschied erwartete uns noch eine Überraschung. Lut überreichte uns ein schweres Paket. Ein Überlebungspaket, wie sie es nannte :). Dazu gab es noch Milch, Zutaten für den Lunch und 4 oder 5 Gläser selbst gemachte Konfitüre. Mir fehlten die Worte. Mir war das schon fast etwas unangenehm, so beschenkt zu werden. Aber ich nahm diese Geschenke natürlich tausendmal dankend an.
Unser Plan der Weiterfahrt hatte sich in der Zwischenzeit etwas geändert. Lut hatte eines Abends mit ihrer Tochter, Elke, telefoniert. Elke sagte Lut, dass Regula und ich doch noch nach Gent kommen sollen. Sie hätten gerade Besuch aus Israel, und der Israeli koche am Freitagabend ein israelisches Abendessen, zu dem wir auch kommen können. Es werden ungefähr 9-10 Leute kommen. Unter anderem auch Matti (der Sohn von Lut u. Willy), der auch in Gent wohnt. Hmmm, das konnten wir uns doch nicht entgehen lassen. Da Gent eigentlich nicht auf unserem Routenplan stand, mussten wir unsere Weiterfahrt etwas abändern. Darunter musste nun halt Holland leiden, da wir jetzt mehr Zeit in Belgien verbringen werden, als ursprünglich geplant war. Unser neuer Streckenplan sah dann so aus: Donnerstag Antwerpen, Freitag Tagesausflug nach Brugge, und am Abend nach Gent zum Abendessen. Samstag Besichtigung von Gent. Samstagabend, oder Sonntagmorgen Weiterfahrt nach Rotterdam (Holland). So verliessen wir also das gemütliche Heim von Lut und Willy, und fuhren nach Antwerpen. Ein wunderschönes Städtchen, sag ich euch. Innert 40 Minuten war man vom Campingplatz im Stadtzentrum. Wir flanierten dann von Gasse zu Gasse, und machten im einen oder anderen Laden Halt. Im North Face Shop ergatterte ich dann ein Schnäppchen. Mit Regula hatte ich natürlich eine Fachperson bei mir, die mir fachliche Auskunft über diese Jacke geben konnte. Natürlich war da auch noch Verkaufspersonal, aber Regula genügte mir :). Da ich eh eine neue Jacke brauchte, ich habe bewusst eine Ältere mitgenommen, kaufte ich diese zum halben Preis. Statt 300 Euro, nur noch 150 Euro. Nur knapp 190 CHF für eine funktionelle NorthFace-Jacke – das ist doch ein super Schnäppchen. Bevor es zurück zum Camping ging, gönnten wir uns noch einen Aperitif. Nachos mit Bier :). Hier lernten wir zum ersten Mal das „Bierland“ Belgien kennen. Wir wussten nämlich nicht, dass Belgien über 100 verschiedene Biere produziert. So ging die Qual der Wahl los. Wir fragten dann die Servierdüse um Rat. Schlussendlich entschied ich mich für ein „Duvel“ und Regula für ein „La Chouffe“. Die Servierdüse erklärte uns dann noch, dass das nicht normale Biere seien, sondern über 7% Vol. haben. Wir sollten also langsam trinken… Man spürte den Alkohol natürlich schon mehr, als bei einem normalen Bier. Aber wegen einem Bier fallen wir ja nicht gerade vom Hocker.
Als wir zurück in unser Wohnzimmer stiegen, fiel mir das Überlebungspaket von Lut ins Auge. Auspackeeeeeeen! Das was wie Weihnachten. Wir konnten unseren Augen kaum trauen, als wir das Paket geöffnet hatten. Da war jetzt wirklich alles drin, und soooo viel! Sekt, Weisswein, Rotwein, versch. Pasta, getrocknete Tomaten, Risotto, Suppe, Sardinen u. Thunfisch in Dosen, Gewürze, Schokolade, Kekse,… kein Wunder war das Paket so schwer! Wir starrten die Lebensmittel nur so an, und strahlen über das ganze Gesicht. Wow, mit so etwas hatten wir überhaupt nicht gerechnet! Wie lieb ist denn das?! Wir bedankten uns später noch mal herzlich mit einer Postkarte bei Lut und Willy. Welch grosszügige Menschen das sind!
Kategorien : Schweiz
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