Elch, Mitternachtssonne & norwegische Gastfreundschaft
18 07 2012Ein weiterer sonniger Tag erwartete mich. Ich entschloss mich für einen gemütlichen Tag. Nach dieser gestrigen Wanderung haben sich meine Beine etwas Erholung verdient. Ich fuhr zum Saltstraumen, dem grössten und stärksten Gehzeitenstrom Europas. Alle 6h werden enorme Wassermassen mit bis zu 40km/h durch den 3km langen und nur 150m breiten Sund gepresst – eindrücklich. Gegen Abend fuhr ich nach Bodø. Von hier fahren nämlich Fähren zu den Lofoten. Ich wusste noch nicht, ob ich 1 oder 2 Nächte in Bodø bleiben würde – je nach Wetter. Ich hörte von diesem wunderschönen Aussichtspunkt etwas ausserhalb des Städtchens. Der Typ im Tourist Office riet mir, die Mitternachtssonne dort zu erleben. Gegen 21.00h fuhr ich zum Parkplatz, wo man den „Aufstieg“ zum Aussichtspunkt startete. Ich habe dann zugleich entschlossen, die Nacht auf diesem Parkplatz zu verbringen. Ich packte etwas zu trinken, die Digicam und ein Buch in meine Tasche, und ging mit gemächlichen Schritten los. Als ich dann zu einem kleinen See kam, machte ich es mir auf der Parkbank bequem, und begann zu lesen. Es dauerte ja noch eine Weile bis Mitternacht sein würde. Als ich so am Lesen war, hörte ich es im See plätschern. Ich habe kurz aufgeschaut, und einen Hund vor mir im Wasser spielen sehen. Ca. 15 min. später plätscherte es wieder im Wasser. Ich dachte, dass es wohl wieder ein Hund sei. Das Geräusch hielt aber an, und ich hörte kein Herrchen/Frauchen. Ich schaute wieder auf. Und was sah ich? Einen jungen Elch!! Nur etwa 4m von mir entfernt. Booaaaah, cooool! Ich machte schnell ein paar Fotos und zog mich dann zurück. Es könnte ja die „böse“ Elchmamma auftauchen. Ich ging etwas weiter hoch, machte es mir auf einem Stein bequem, und fing wieder an zu lesen. Als die Mitternacht näher kam, nahm ich noch den letzten Teil bis zum Aussichtspunkt in Angriff. Es war ein eindrückliches Panorama. Ich kam ins Gespräch mit einer norwegischen Familie. Vor allem mit Reinar (der Familienvater) und seiner Schwester Cecilie. Sie waren beeindruckt von meinem Vorhaben. Ich fragte sie, ob sie mir hier in der Nähe eine Wanderung empfehlen könnten. Sie machten mir zwei Vorschläge, und erklärten mir die Wege zu den Ausgangspunkten. Reinar fragte, wo ich schlafen würde. Nachdem ich es ihm gesagt habe, hat er gesagt, dass ich sonst auch in ihrem Clubhaus schlafen könne. Dort habe es auch ein WC und eine Dusche. Clubhaus? Reinar und Cecilie sind leidenschaftliche Töfffahrer. Sie sind Mitglieder des BMC (Bodø Motorbike Club). Ich dankte ihnen vielmals für das Angebot, und dass ich morgen nach der Wanderung von ihrem Angebot gerne Gebrauch machen würde. Nach dem gemeinsamen „Abstieg“, tauschten wir Telefonnummern. Ich solle morgen nach der Wanderung einfach anrufen, sagte Reinar. Ich war beeindruckt von dieser Freundlichkeit. Nach einer ruhigen Nacht mir hervorragender Aussicht, machte ich mich auf den Weg nach Skaug. Dort befand sich der Aussichtspunkt, um den „Steigtind“ zu besteigen. Es war eine schöne Wanderung. Ich habe mich zwar Verlaufen, fand aber nach einer Stunde wieder zurück auf den richtigen Weg :). Ich muss mich immer noch ein bisschen an die norwegischen Wanderwege gewöhnen. Die Aussicht war super. Ich genoss einige Zeit auf dem Gipfel, bevor es wieder runter ging. Als ich beim Büssli ankam, telefonierte ich Reinar. Ich hoffte, dass sein gestriges Angebot wirklich ernst gemeint war. Er antwortete sein Telefon, und war sofort wieder so sympathisch wie am Tag zu vor. Na klar, könne ich eine Dusche im Clubhaus nehmen. Er beschrieb mir den Weg dorthin, und 15 min. später trafen wir uns dort. Seine Schwester Cecilie war auch da. Sie führten mich durch das Clubhaus, zeigten mir Dusche, WC, Küche, Aufenthaltsraum, Lagerraum und Garage. Ich könne hier so viele Tage verbringen, wie ich wolle. Ich war ihnen extrem dankbar. Als Zeichen der Dankbarkeit erhielten sie je eine Tafel Schokolade (zum Glück habe ich noch nicht alle selber gegessen :)). Nach einer warmen Dusche, machte ich es mir im Clubhaus gemütlich, und entschied die Nacht hier drin auf dem laaaaangen Sofa zu verbringen. Ich lag schon bald im Schlafsack. Ich wollte am nächsten Morgen um 6.00h die Fähre nach Moskenes (Lofoten) nehmen. Diese frühe Fähre ist nämlich etwas günstiger, und man kriegt einen Kaffee umsonst :). Ich reihte mich um 5.20h in die Fährenkolonnen ein. Es waren schon viele Autos dort. Leider zu viele. Ich musste auf die nächste Fähre (11.15h) warten. Jänu! Ich richtete das Bett im Bus ein, und legte mich noch einmal aufs Ohr.
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