Finnmark is coming up
22 07 2012Am späteren Nachmittag fuhr ich weiter nach Tromsø. Ich dachte, nach etlichen Nationalparks und kleinen Dörfern, ist es wieder mal Zeit für einen Stadtbesuch. Ich übernachtete auf einem Campingplatz und schlenderte am nächsten Nachmittag durch die Stadt. Da ich schon bald am Nordkapp sein werde, checkte ich das Wetter für die kommenden Tage. Das Wettervorhersage gibt an, dass es erst am Sonntag wieder schöner wird. Die Tage vorher soll es bedeckt und regnerisch sein. Hmmm, in diesem Fall sollte ich erst am Sonntag am Nordkapp eintreffen. Nach dem Nachmittag in Tromsø, fuhr ich weiter nach Alta (ca. 5h Fahrt). Ich hatte ja jetzt genügend Zeit für Stopps – es war ja erst Donnerstag. Ca. 90km vor Alta, habe ich einen Backpacker aufgeladen. Es war schon spät, und da die Strecke nur spärlich befahren wurde, hielt ich an. Sein Name war Darek und kam von Polen. Polen traf sich prima, denn so konnte ich über Plätze in Polen fragen, die ich besuchen oder meiden sollte. Als wir dann in Alta ankamen, markierte er auf meiner Karte einige Orte, die ich in Polen sehen sollte. Bei einer Tankstelle verabschiedeten wir uns. Ich suchte mir ein nettes Plätzchen zum Schlafen, es war schon fast 22.30h. Der nächste Morgen schaute nicht sehr freundlich aus, aber wenigstens regnete es nicht. Ich ging ins Alta Museum. Um den Eintrittspreis zu umgehen, besichtigte ich nur den Aussenbereich des Museum. Dort konnte man nämlich auf einem 5km langen Pfad Felsritzungen betrachten. Diese Felsritzungen stammen von früheren Besiedlungen. Es heisst nämlich, dass das Gebiet des heutigen Alta schon vor 15‘000 Jahren von Menschen bewohnt war. Im Touristoffice von Alta habe ich mich noch über das Wetter der kommenden Tage erkundigt. Das Wetter bleibt bis Sonntag schlecht. Erst am Montag wird es wieder Aufhellungen geben. Hmmm, so musste ich bis Montag noch etwas Zeit schinden. Eigentlich hätte man locker in einem Tag von Alta zum Nordkapp fahren können. Aber da ich möglichst schönes Wetter haben möchte, um dann auch etwas zu sehen, hatte ich drei Tage Zeit für diese Strecke. Von Alta ging es dann weiter nach Hammerfest. Das ist die am nördlichsten gelegene Stadt der Welt. Ich kam am frühen Abend an. Es war kalt (7°C), regnerisch und windig. Ich parkierte am Hafen, wo ich dann auch die kurze Nacht verbrach. Es fanden nämlich die letzten Tage der Hammerfestdågen statt. Die Hauptattraktionen seien schon vorbei, sagte mir die Frau im Touristoffice, aber heute Abend spiele noch eine Band in einer Bar. Ich spazierte noch ein wenig durch Hammerfest, und kehrte dann zurück zum Bus. Dort ass ich etwas, las ein wenig und machte mich dann gegen 23.00h auf den Weg zu der Bar, wo die Band spielen wird. Die Bar sah noch sehr leer aus. Ich fragte den Türsteher, um welche Zeit die Band spielen würde. In ca. 30 min., sagte er. Also ging ich rein, und bestellte mir an der Bar ein typisch nordnorwegisches Bier namens Mack. 0.5l kosten stolze 74 NOK (ca. 12 CHF!) Da wird wohl das Glas auch im Preis inbegriffen sein, dachte ich mir. Und so steckte ich das Bierglas unauffällig in meine Tasche, als ich es leer getrunken hatte. Die Band hiess übrigens „topcoat“ und preist sich als beste norwegische Partyband an. Mir hat’s gefallen. Ich kam ins Gespräch mit einem jungen, waschechten norwegischen fisherman. Er hiess Tobias. Da das Meer zu stürmisch war, kamen sie für einige Tage an Land zurück. Er erklärte mir die Arbeit auf dem Boot und wie es ist auf hoher See zu leben. Es war noch ganz interessant. Als ich aus der Bar kam, erschrak ich zunächst. Es war schon hell! Ist es denn schon so früh morgens? Dann dämmerte es mir wieder, dass es ja gar nicht dunkel wurde…ich war dann beruhigt, als meine Uhr „erst“ 3.30h anzeigte. Ich erwachte früh. Es herrschte reger Betrieb auf dem Parkplatz. Autos kamen und gingen. Ich funktionierte den Schlafplatz zu Tisch und Bank um, und frühstückte. Das Wetter war noch nicht besser geworden. Ich schlenderte noch einmal ein bisschen durch Hammerfest, bevor ich wieder ins Büssli stieg, und Honningsvåg ansteuerte. Auf dem Weg dorthin, nahm ich wieder einen Tramper mit. Dieser hielt ein Kartonschild mit der Aufschrift „Nordkapp“ in der Hand. Ich hatte ja bis jetzt nur positive Erfahrungen, und es ist halt schon unterhaltsamer zu zweit… Ich sagte ihm, dass ich nicht direkt ans Nordkapp fahren werde, da man ja momentan sowieso nichts sehen würde, aber ich könne ihn gerne eine Strecke mitnehmen. So stieg er in den Bus. Mein neuer Wegbegleiter hiess Aaron und kam aus Berlin. Er war seit knappen zwei Wochen unterwegs – alles nur per Anhalter. Sein Ziel ist das Nordkapp, und dann wieder so schnell, wie möglich zurück nach Berlin. Er entschied sich dann, sich mir anzuschliessen, da das Wette wirklich nicht sehr prickelnd war. Wir besuchten das Dörfchen Honningsvåg zusammen, wärmten uns in einem Café mit einem Tee, und fuhren nach noch etwas weiter Richtung Nordkapp, um ein geeignetes Schlafplätzchen zu finden. Kurz vor Skibsjord sind wir dann fündig geworden. Wir haben im Bus unser Abendessen zubereitet, geplaudert und Yatzi gespielt. Er stellte draussen sein Zelt auf, ich richtete mein Bett ein, und so gingen wir schlafen. Jetzt ist Sonntag. Das Wetter ist immer noch kalt, regnerisch und sehr windig. Ich habe mich entschieden, noch einen Tag zu warten, da es morgen wirklich viel besseres Wetter haben will. Da Aaron etwas unter Druck mit seinem Zeitplan stand, entschied er sich bereits heute ans Nordkapp zu gehen. So trennten sich unsere Wege am Mittag. Ich ging auf einen Campingplatz. Ich wollte diesen „schlechtwetter“ Tag benutzen, um wieder mit den Berichten up to date zu sein. Ausserdem waren eine Dusche und die Wäsche fällig. Nun bin ich also in Skårsvåg auf einem gemütlichen Campingplatz. Morgen will es tatsächlich endlich schöneres Wetter haben. Die Sonne soll sogar zum Vorschein kommen! Das wäre wirklich super.
Ich hoffe, dass ich euch jetzt wieder regelmässiger mit Berichten füttern kann. Aber die Zeit vergeht hier einfach viel zu schnell, wenn man immer wieder Leute trifft, und so vieles erlebt.
Bis bald wieder einmal…
~Madlene
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