im, am und auf dem Wasser

4 08 2012

Gegen Mittag ging die Fahrt weiter nach Oulu. Das ist eine Stadt an der Westküste Finnlands. Es war drückend warm – extrem schwül. Zum ersten Mal während meiner Reise hatte ich fast schon zu warm. Ich war mir diese Temperaturen über 20°C einfach noch nicht gewöhnt. Per Radio (einige Nachrichten sind auf Englisch) erfuhr ich, dass heute noch ein starkes Gewitter über Oulu ziehen wird. Ich checkte sofort das Wetter im Osten, in der Gegend des Koli Nationalparks. Da es für den morgigen Tag den einzig richtig sonnigen Tag vorausgesagt hatte für die nächsten paar Tage, entschloss ich mich vor dem Gewitter zu flüchten, und nach Koli zu fahren. 4.5 Stunden später kam ich dort an. Ich campierte wild. Am nächsten sonnigen Tag, 29.7., ging ich also in diesen Nationalpark. Dieser Nationalpark ist bekannt für seine Fauna und Flora. Und vom Felsgipfel Ukkokoli kann man über den riesigen Pielinen-See bis nach Russland blicken. Ich wanderte dort einige Stunden, und ging im erfrischenden See schwimmen. Ah, das war herrlich! Am frühen Abend fuhr ich Richtung Kuopio (mein nächstes Ziel), und ging ca. 20km vor dieser Stadt auf einen Campingplatz. Da der Camping an einem See lag, ging ich nochmals schwimmen, bevor ich eine Dusche nahm. Eigentlich hoffte ich auf Internetzugang, damit ich wieder einmal einen Bericht auf den Blog hochladen kann, aber ich hatte keinen :(.

Den nächsten Morgen (31.7.) ging ich gemächlich an. Ich schlief lange, und liess mir Zeit beim Aufstehen. Nach dem Mittag fuhr ich in die Stadt Kuopio. Dieser Ort hat 92‘000 Einwohner und ist in Wälder und Seen eingebettet. Das Stadtzentrum war leider voll im Umbau – überall waren Baustellen. Ich parkierte auf einem grossen Parkplatz (blaua Zone: 2h). Es stand da noch irgendetwas bei der Parkplatztafel, aber da ich kein Finnisch kann, verstand ich es nicht. Auf dem Marktplatz war ein Markt im Gange. Ich schlenderte durch den Markt, weiter zum Hafen, und dann dem See entlang. Nach 2h ging ich zum Bus zurück, und was sah ich da? Einen Zettel unter den Scheibenwischern. Waaaaas, eine Busse? Ich entfernte den Zettel und warf sofort einen Blick auf den Betrag. Dort stand 0 EUR. Puuuh, Glück gehabt! Nur eine Verwarnung, da es nicht ein schwerwiegendes Vergehen war, hiess es. Ich parkierte nicht am rechtmässigen Ort, da dieser Bereich des Parkplatzes für ein bestimmtes Gebäude gedacht war. Ich parkierte um, und ging noch in einen anderen Stadtteil von Kuopio. Ein sympathisches kleines Städtchen, das wirklich reich bewaldet ist, und von viel Wasser umgeben ist. Ich ging noch in einen Park, genoss die Sonne und las ein Buch. Am Abend machte ich mich dann auf den Weg nach Oravi. Das ist ein Ort, von dem man in den Linsansaari Nationalpark gelangen kann. Dieser Nationalpark liegt nämlich auf einer Insel, und man kann ihn nur über Wasser erreichen. Ich buchte eine Kajak-Tour in Oravi. Man musste mind. 4 Personen sein, damit die Tour durchgeführt wird. Ich hatte Glück. Es meldeten sich noch 4 andere Leute, und so fand die Tour statt. Ich übernachtete wild in der Nähe von Oravi, und fand mich am nächsten Tag um 11.30h beim Tour-Anbieter ein (die Tour startete um 12.00h). Ich realisierte erst dann, dass ja der 1. August war! Happy Birthday Schwiiz! 🙂 Bei den restlichen vier Personen handelte es sich übrigens um zwei Ehepaare aus Finnland. Nach Sicherheitseinweisungen und den Paddelinstruktionen bestiegen wir die Kajaks. Die zwei Männer je in einem Single-Kajak, und wir Frauen in Zweierteams in einem Double-Kajak. Da ich die einzige war, die vorher noch nie in einem Kajak sass, teilte ich das Kajak mit Miisa. Sie war unser Guide. Wir paddelten 5km zum Linsansaari NP. Dort angekommen, gingen wir baden, und konnten uns anschliessend bei einem offerierten Snack stärken. Es gab Kaffee/Mineral, „Muikko“ (geräucherte kleine Fische – ich weiss leider nicht was für Fische) mit Brot und zum Dessert „Pulla“ – so etwas wie einen Berliner. Als wir wieder gestärkt waren, traten wir den Rückweg an. Wir paddelten eine andere Route zurück, die etwas länger war (6km). Es war eine super Tour! Kajaking hat mir echt gut gefallen! Nach der Tour sassen wir, die Tourteilnehmer, noch bei einem Bierchen beisammen. Am gleichen Abend fuhr ich auf die westliche Seite vom Linsansaari Nationalpark, nach Rantasalmi (Oravi liegt auf der östl. Seite). Ich stoppte aber noch irgendwo, um kurz in einem Laden Käse zu suchen, mit dem ich Raclette machen konnte. Es war ja schliesslich der 1. August :). Ich habe dann etwas Ähnliches gefunden. Mhmmm, das war lecker!

Um 10.00h war ich im Nationalparkcentre in Rantasalmi, und holte mir eine gratis Wanderkarte. Um 11.00h fuhr das Motorboot von Porosalmi nach Linsansaari. Nach 20 Minuten Fahrt erreichten wir die Insel. Die einzige Rückfahrt war um 16.00h. Wer um diese Zeit nicht dort ist, muss auf der Insel übernachten. Es gab eine 8km lange Rundwanderung. Dieser ging durch einen Wald, führte zu einem altertümlichen Bauernhof, der bis 195? (ich weiss die genaue Jahreszahl nicht mehr) noch bewirtschaftet wurde (Kühe, Schafe und Hühner), und am See entlang zu einem Aussichtspunkt. Ich nahm es gemütlich, genoss die Natur, und sonnte mich etwas auf einem Felsen. Als ich die Rundwanderung beendet hatte, kühlte ich mich im See ab. Es war bereits viertel nach 3. Die restliche Zeit verbrachte ich liegend auf einer grossen Wiese, genoss die Sonne und las.

Zurück auf dem Festland fuhr ich weiter nach Jyväskylä. Eigentlich wollte ich direkt von Kuopio dorthin. Aber, da die Kajaktour nur mittwochs stattfindet, fuhr ich zuerst nach Oravi. Ich wollte wieder auf einen Campingplatz. Erstens, wegen einer Dusche, und Zweitens wegen einem Internetanschluss. Da Jyväskylä eher eine grössere Ortschaft war (130‘000 Einw.) dachte ich, dass es dort wohl einen Campingplatz geben würde. Falsch gedacht. Ausserdem fand gerade die Rally Weltmeisterschaft ganz in der Nähe statt. Dem entsprechend war viel los. Ich parkierte auf einem Parkplatz, wo noch viele andere Reisemobile standen. So übernachtete ich halt nochmals wild. Am Abend waren schon 80% der Stadtbesucher betrunken. Es waren hauptsächlich Rally-Fans. Das war mir dann doch etwas zu viel, gegen Mitternacht ging ich schlafen. Am nächsten Morgen (3.8.), besichtigte ich die Stadt. Da es Freitag war, war bei allen Museen freier Eintritt. So besuchte ich einige Museen. Jyväskylä ist bekannt für seinen Architekten Alvar Aalto. Er hat mit 30 Gebäuden das Stadtbild sehr geprägt. Ich besuchte das Alvar Aalto Museum. Es zeigt Skizzen, Fotos, Modelle, Designermöbel und andere Gegenstände seiner Arbeit. Ich besuchte weiter das Handarbeitsmuseum (die Handarbeit wird in Finnland immer noch sehr gepflegt), und das Museum of Central Finland. Es war alles mehr oder weniger interessant. Um ca. 15.30h machte ich mich auf den Weg nach Savonlinna. Hier bin ich jetzt auf einem Campingplatz. Hier werde ich die Burg Olavinlinna besichtigen. Sie ist die am besten erhaltene mittelalterliche Burg Nordeuropas. Und momentan finden dort ebenfalls die Opernfestspiele statt.

So, das war’s wieder einmal für den Moment…

Liebe Grüsse Madlene



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