Juhuiiii, im Mittelpunkt Europas angelangt
26 08 2012Kaunas hat eine schöne Altstadt, die sich um den Rathausplatz erstreckt. Das Rathaus mit dem 53m hohen Turm (im Volksmund „Weisser Schwan“ genannt), überragt diesen Platz. Ich ging in die Vytaus Kirche. Sie stammt aus dem 15. Jahrhundert, und gehört zu den ersten gotischen Backsteingebäuden in Kaunas. Die Truppen Napoleons haben die Kirche 1812 als Munitionslager benutzt. Die Vilnius-Strasse (Fussgänerzone) führt durch die Altstadt. So kann man gemütlich durch die Pflastersteinstrasse spazieren. Die 1.7km lange „Freiheitsallee“ (Laisves aleja) führt in das moderne Zentrum Kaunas. Diese Freiheitsallee war die allererste Fussgängerzone in der ehemaligen Sowjetunion. Vor der St. Michael Kirche fand ich eine Menschenansammlung mit Fahnen vor. Einige ältere Herren trugen die Militäruniform. Ich weiss leider bis jetzt noch nicht, um was es da ging. Ich traf diese gleiche Menschenansammlung vor dem Militärmuseum wieder. Dort stand gerade ein Herr vor dem Mikrophon, und hielt eine Rede. Dann ging der Fahnenzug auf das Denkmal zu und Frau und Mann legten Blumen hin. Es schien mir wie ein Trauerzug. Einige Frauen hatten nämlich wässerige Augen. Aber eben, ich weiss nicht, um was es da gegangen ist… Im Grossen und Ganzen muss ich sagen, dass ich Kaunas jetzt nicht so speziell finde. Sie hat eine schöne Fussgängerstrasse, die von der Altstadt zur Neustadt führt, einige historische Gebäude, aber sonst nicht so viel zu bieten. Ich war auf Vilnius, die Hauptstadt Litauens, gespannt. Am späteren Nachmittag nahm ich die ca. 100km lange Strecke zur Hauptstadt unter die Räder. Ich kam dann so gegen 18.30h auf dem Campingplatz an. Gerade neben der Rezeption ist mir ein Fiat-Büssli mit einem Berner- Nummernschild aufgefallen. Loda, wieder einmal Schweizer. Als ich mein Abendessen zubereitete, sah ich drei Typen auf den berner Bus zusteuern. Ich habe ihre Stimmen gehört, und somit mitgekriegt, dass sie meinen Bus auch entdeckt haben. Nachdem ich fertig gegessen hatte, und ich die drei Jungs draussen vor ihrem Bus sitzen sah, bin ich zu ihnen rüber gegangen, um Hallo zu sagen. Drei Jungs von der Stadt Bern, die einen 2.5 monatigen Trip durch einige östl. Länder (sie haben nur Slowakei und Polen erwähnt), das Baltikum, Finnland und Schweden machen. Sie haben sich den Bus zusammen für die Reise gekauft, und einfach mit Schlafplätzen ausgestattet. Ehrlich gesagt, waren mir die Burschen nicht sonderlich sympathisch – typische Stadtjungs halt. Nach einem kurzen Smalltalk bin ich wieder zurück zu meinem Bus gegangen. Nach einer guten Nacht, sagte ich den Jungs nach dem Frühstück noch Tschüss, und fuhr dann Richtung Stadtzentrum. Ich musste mit meinem Bus in die Stadt fahren, weil ich nur bis zum Mittag auf dem Campingplatz sein durfte. Ich fand einen gratis (!) Parkplatz, von dem ich in ca. 20min. zu Fuss im Stadtzentrum war. Vilnius hat rund 554‘000 Einwohner, und davon sind 19‘000 Studenten. Hier ist die älteste Universität Osteuropas. Schon beim Spaziergang vom Parkplatz in das Stadtzentrum, war ich von den Gebäuden begeistert. Ich steuerte direkt auf die Kathedrale St. Stanislaus zu. Hinter steht der Gediminas-Turm auf dem Burgberg. Es handelt sich um die Resten der Oberen Burg aus dem 13. Jahrhundert. Von dort aus konnte ich einen wunderbaren Blick auf die Altstadt werfen. Ich schlenderte durch die schönen Gassen der Altstadt, und sah mir Dieses und Jenes an. Die Zeit verging sehr schnell. Ich habe mich am Morgen entschieden, in der Stadt typisch litauisch zu essen. Es war ja mein letzter Tag in Litauen. Ich fand ein Restaurant, dass gute litauische Küche servierte (hiess es jedenfalls…). Ich bestellte die typischen Cepelinai (mit Fleisch gefüllten Kartoffelklösse), die mit einer Speck-Buter-Sauce serviert werden. Hallo Kalorienbombe! Das Essen war nicht schlecht, aber speziell. Ich würde es jetzt nicht noch einmal bestellen. Auf dem Rathausplatz herrschte reges Treiben. Es fand gerade ein Mittelalter-Markt, mit musikalischer Umrahmung statt. Plötzlich sind mir drei Männer, mit einem Funkgerät im Ohr, vor einem Marktstand aufgefallen. Hmmm, was ist da wohl los? Ich trat näher, und sah, dass es die 3 Bodyguards einer Frau waren. Neben dem Rathausplatz waren auch diverse Polizeiautos stationiert und Autos mit komplett verdunkelten Scheiben. Als ich zufällig (wirklich zufällig) an solch einem Auto vorbeiging, sah ich, dass ein kleines Fenster geöffnet war. Ich habe da natürlich rein gespäht. Und was sehe ich? Einen Mann, das Gewehr griffbereit haltend. Ich erkannte die Frau nicht, aber sie musste auf jeden Fall eine wichtige Persönlichkeit sein. Vielleicht erkennt ihr sie ja auf dem Foto. Falls Ja, könnt ihr mich gerne belehren. (Die Fotos werden demnächst hochgeladen…)
Um 15.30h war ich wieder bei meinem Bus angekommen. Ich wollte nämlich noch unbedingt zum Mittelpunkt Europas weiterfahren. Der liegt ca. 26km nördlich von Vilnius. Ein netter Herr vor dem Parkplatz, hat mir den besten Weg dorthin erklärt (Sprache= Gestik, Litauisch und Englisch). Das klappte hervorragend. Ich habe gelesen, dass der Mittelpunkt sehr unspektakulär sei. Mir war das egal – ich wollte einfach zum Mittelpunkt. Es gäbe da noch ein Europa-Park, der ein Freilichtmuseum für moderne Kunst ist (100 skurrile Skulpturen aus aller Welt). Das liess ich dann aus. Ich wollte die Nacht bereits in Polen verbringen. Mein nächstes Ziel war nämlich Gdansk (Danzig). Aber da es von Vilnius nach Gdansk eine 9-10 stündige Fahrt war, musste ich sie auf zwei Tage aufteilen. Ich brach also am selben Abend, das war übrigens der 24.8., noch Richtung Polen auf. Mein Plan war, gegen 21.00h auf einem Campingplatz zu sein. Die Zeitumstellung kam mir noch zu Gute. Seit Finnland war ich euch ja immer eine Stunde voraus. In Polen habe ich nun wieder die gleiche Uhrzeit. Somit konnte ich eine Stunde länger fahren. Als ich gegen 20.00h die polnische Grenze erreichte, stellte mein Handy automatisch auf 19.00h zurück. Ich fand dann auch wirklich gegen 21.00h einen Campingplatz. Nach total 5h Fahrt war ich extrem müde. Am Abend ist es um einiges anstrengender zu fahren, als am Morgen. Ich wurde mit breitem Berliner-Deutsch empfangen. Es handelte sich um einen deutschgeführten Campingplatz. Nachdem mir der nette Herr die Toiletten, die Duschen und so gezeigt hatte, ging ich sogleich schlafen. Ach Nein, er fragte noch, ob ich irgendwelche Wünsche hätte. Da mir bei der Einfahrt das Schild „Frische Eier“ aufgefallen war, fragte ich nach Eiern. Er brachte mir sofort welche. Ich freute mich schon jetzt auf das Frühstück. Mhmm, Rührei! 🙂 Ich fiel bald in einen tiefen Schlaf, und habe 8.5 Stunden durchgeschlafen. Nach der Dusche, ich duschte schon lange nicht mehr in einer so schönen, sauberen Dusche, machte ich mir mein Rührei. Leckaaaa! 🙂 Ich plauderte dann noch etwas mit den Besitzern, und sie gaben mir noch 6 Wünsche auf den Weg: 1. Eine gute Reise, 2. Eine gute Gesundheit, 3. Immer genug Sprit im Tank, 4. Genug Luft in den Reifen, 5. Das Wetter entsprechend der Kleidung, 6. Immer 10 Cent mehr im Sack, als man braucht. Mit diesen guten Wünschen stieg ich in den Bus, und nahm die restlichen 4.5h Fahrt bis nach Danzig in Angriff.
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