von Danzig nach Warschau
29 08 2012Ich bin schliesslich am frühen Nachmittag in Danzig (Gdansk auf Polnisch) angekommen. Ich fuhr direkt in die Stadt, und fand sogleich einen Parkplatz. Da Samstag war, musste ich keine Parkgebühren zahlen :). Ein alter Bettler sprach mich in gutem Englisch an, als ich aus dem Auto stieg. Er sagte, er sei der Parkplatzwächter. Ich müsse ihn bezahlen, denn er bewache meinen Bus. So könne ich sicher sein, dass dem Bus nichts passieren werde. Mir war natürlich sofort klar, dass das nicht stimmte, und er sehr wahrscheinlich das Geld für Alkohol ausgeben würde. Ich redete mich dann heraus, indem ich sagte, dass ich jetzt zuerst einmal ins Touristoffice gehen werde, um mir einen Stadtplan zu holen (das Touristoffice war nur 60m entfernt), und dann werden wir sehen, was er für seinen „Dienst“ bekommen wird. Im Touristoffice erzählte ich der Frau von diesem Vorfall. Ich sagte ihr auch, dass ich jetzt befürchte, er werde meinen Bus beschädigen, wenn ich ihm nichts zahle. Die Frau sagte, ich soll ihm auf keinen Fall Geld geben, und sie glaube nicht, dass er dem Bus etwas antun werde. Die Polizei sei ganz in der Nähe, und es seien zu viele Leute herum, dass er etwas unbemerkt machen könnte. Ich solle mir da keine Sorgen machen. Ok. Ich bin dann mit der Stadtkarte in der Hand losmarschiert. Ich habe den alten Mann natürlich gemieden. Nicht, dass er mich nochmal wegen dem Geld hätte anquatschen können. Der erste Eindruck von Danzig: Wooow, war für eine schöne Altstadt! In dieser tausendjährigen Stadt an der Ostsee wurde europäische Geschichte geschrieben: Mit den Schüssen auf die Westerplatte begann hier der Zweite Weltkrieg. Die wieder aufgebaute und restaurierte Altstadt empfängt jährlich fast drei Millionen Besucher aus aller Welt – das verwundert mich gar nicht. Danzig ist wirklich wunderschön, und hat einiges zu bieten: Die Marienkirche, an der 150 Jahre lang gebaut wurde, ist die grösste Backsteinkirche in Europa. Der Lange Markt, angeblich einer der schönsten Marktplätze Europas. Die Frauengasse, eine stille romantische Gasse, wo unzählige Juweliere und Galerien mit schönem Bernsteinschmuck ihren Sitz haben. (Danzig ist übrigens immer noch die Welthauptstadt des Bernsteins.) Hier noch etwas dazwischen geschoben: Seit ich im Baltikum angekommen bin, säumen Bernsteinmarktstände, oder –läden die Gassen. Das hat seinen guten Grund: Das Baltikum gilt als Wiege des Bernsteins. Das „baltische Gold“, wie es auch genannt wird, wird zwischen November und März von den Strandanrainer im eiskalten Wasser der Ostsee „herausgefischt“. Nun zurück zu Danzig. Ich bin durch die Gassen spaziert, habe mir Dieses und Jenes angeschaut, und habe mich über das Menschentreiben amüsiert. Der Charme der Stadt hat mich sofort gepackt. Gegen Abend fuhr ich in den ca. 8km entfernten Campingplatz, der fast direkt am Meer lag. Nach wenigen Gehminuten stand man im weichen Sand. So genoss ich noch eine schöne Abendstimmung am Strand. Am nächsten Morgen, 26.8., machte ich mich auf den Weg nach Torun. Dieses kleine Städtchen wurde mir empfohlen, und da es auf dem Weg nach Warschau liegt, habe ich dort einen Halt gemacht. Es hat sich gelohnt. Eigentlich sollte Torun nur ein Zwischenhalt sein, da ich die Nacht bereits in Warschau verbringen wollte. Aber die Zeit verging sehr schnell, und da es ja mittlerweile auch wieder dunkel wird (voll schade!!! Helle Nächte sind viel, viel besser…), wollte ich nicht im Dunkeln in Warschau den Campingplatz suchen. So verbrachte ich die Nacht in Torun, und fuhr dann früh am nächsten Morgen weiter nach Warschau. Es war nämlich immer noch eine ca. 3.5h Fahrt bis zur Hauptstadt Polens. Ich brauchte dann etwas länger. Erstens, weil ich vor der Stadt in stockenden Verkehr geriet, und Zweites – wie könnte es auch anders sein – habe ich den Campingplatz nicht auf Anhieb gefunden. Das hat viel Zeit gekostet. Ich bin immer wieder in stockenden Verkehr geraten, und war mehr am Warten, als am Fahren. So verplemperte ich eine Stunde!! Schlussendlich habe ich den Campingplatz ohne fremde Hilfe gefunden *stolz* :). Zum Glück hatte ich die Karte, der Wegbeschreibung von Google Maps am Vortag mit meinem Handy fotografiert. So fand ich wenigstens nach einer Weile heraus, wo ich war, und wo ich hin musste. Ohne dieses Foto hätte ich keine Chance gehabt den Campingplatz selber zu finden. Aber ich habe mittlerweile meine Tricks entwickelt ;).
Im ersten Moment war ich von Warschau völlig enttäuscht. Ich hatte ja schon keinen guten Start mit der Stadt (Suchaktion Camping). Dann war die Dame an der Rezeption nicht sehr freundlich, und der Campingplatz war völlig überteuert. Als ich dann in die Stadt ging, fand ich sie einfach nur scheusslich. Ich hoffte, dass wenigstens die Altstadt Warschau in ein gutes Licht rücken würde. So war es dann auch. Die Altstadt war schön – nicht extrem schön. Sie hat schöne Gebäude und Plätze und einen gewissen Charme. Als es schon fast eindunkelte, machte ich mich auf den Weg zurück zum Campingplatz. Dort bereitete ich mich für meine nächsten Tage vor. Etwas Planung muss natürlich schon immer sein, sonst verplämpert man ja den ganzen Tag. Ich hatte eine lange Strecke vor mir: Warschau – Auschwitz – Krakow (ca. 6h). In Auschwitz war nur ein Zwischenstopp geplant, um das Konzentrationslager zu besichtigen. Da Krakow nur ca. 1.5h von Auschwitz entfernt ist, entschied ich mich, nach der Besichtigung nach Krakow weiterzufahren, um dort die Nacht zu verbringen. Ich ging also bei Zeiten ins Bett.
Letzte Kommentare