Büssli = Guesthouse :)

22 07 2012

Und weiter geht’s:

Knappe 6h später sassen wir wieder im Bus und assen zusammen das Frühstück (draussen war es etwas zu windig). Clément sammelte vorher schon fleissig Meeresschnecken, die er dann zum Lunch zubereiten wollte. Er ist wirklich ein Franzose, wie aus dem Bilderbuch. Er kochte dann also diese Meeresschnecken zum Lunch. Und ich habe sogar davon gegessen! Ich konnte es selber kaum glauben, dass ich tatsächlich Schnecken esse. Damit hätte ich etwa als Letztes gerechnet, dass ich irgendwo auf den Lofoten, von einem Franzosen frisch zubereitete Schnecken essen werde. Es war sogar lecker! 🙂

Ich wusste, dass ich in Borge (das liegt auf dem Weg nach Svolvær) das Wikingermuseum besuchen wollte (ein junges deutsches Päärchen hat mir dies empfohlen). Die anderen drei waren sich noch nicht sicher, kamen jedoch auch zum Museum, um vor Ort zu entscheiden. Schliesslich entschieden sie sich auch zu kommen. Es ist nämlich nicht so ein 0815-Museum. Neben dem informativen Teil kann man auch ein grosses Wikingerboot auf dem naheliegenden See rudern, Bogen schiessen, Axt werfen usw. Es war wirklich interessant und unterhaltsam. Es war schon gegen 19.30h als wir in Svolvær ankamen. Es regnete. Wir suchten uns in der Umgebung einen passenden Schlafplatz, wo ich mit dem Auto stehen konnte, und sie ihre Zelte aufschlagen konnten. Nach längerem Suchen, haben wir dann an einem See ein schönes Plätzchen gefunden. Es wäre auch wirklich ganz idyllisch gewesen, wenn da nicht die lästigen Insekten gewesen wären. Wir kochten in meiner Wohnung unser gemeinsames Abendessen. Ich offerierte Rösti. Wir haben noch etwas Salami und Schalotten, und tataaa das Essen war bereit. Mhmmm, das war guuuut! So verbrachten wir wieder einen unterhaltsamen Abend in meiner guten Stube. Die Zeit verging wie im Flug. Nach Mitternacht liess Clément einen Korken knallen. Es war der 14. Juli – der französische Nationalfeiertag. Wir sassen noch eine Weile beisammen, bevor dann jeder sein Nachtlager bezog.

Da es am nächsten Morgen immer noch regnerisch war, assen wir das Frühstück wieder im Bus. Meine Gäste spassten schon, als sie den Bus betraten: „Aaaah, back home!“ 🙂 Weil das Wetter eher schlechter als besser wurde, blieben wir noch den halben Nachmittag im Bus. Wir plauderten und lachten – es war wirklich gemütlich. Später packten wir alles zusammen, und fuhren ins Zentrum von Svolvær. Die Reise von Clément und Alizée ging nämlich weiter. Sie planten am Abend die Fähre nach Tromsø zu nehmen. Vorher gingen wir aber noch Einkaufen. An einem Marktstand kauften Erik und ich gemeinsam eine grosse Rentiersalami, die wir danach halbierten. Mhmmm, Rentiiiieeer! 🙂 Es war dann auch schon Zeit sich von Alizée und Clément zu verabschieden. Wir haben vereinbart, dass wir und alle einmal in Toulouse treffen werden. Es war schon spät. Zeit einen Campingplatz in der Nähe zu suchen. Ich brauchte nämlich immer noch eine Dusche und Strom. Erik hat sich mir spontan angeschlossen. Ich zahlte für den Betrag für den Bus, er zahlte für den Zeltplatz. Inzwischen regnete es immer mehr und der Wind wurde immer stärker. Als ich so am Bus einrichten war, kam Erik zu mir und sagte: „Pack deine Sachen, wir gehen.“ Ich verstand nur Bahnhof. „Wieso? Was ist passiert?“ „Wir werden in der kleinen Hütte dort drüben übernachten.“ Booaaahh, coool! Erik hat den Restbetrag für die Hütte von unseren bereits bezahlten Beträgen bezahlt. Obwohl die Hütte wirklich nur ganz einfach eingerichtet war, empfand ich es als Luxus. Wohnzimmer, Küche, Dusche und WC, 2 Schlafzimmer,… es war ganz heimelig. Ich war sehr froh diese Nacht in dieser „Cabin“ zu verbringen. Draussen ging es stürmisch zu und her – heftige Winde und starker Regen. Am nächsten Tag gingen Erik und ich wieder getrennte Wege. Er ging zurück in südliche Richtung, und ich fuhr in den Norden.



Hallo Lofoten!

18 07 2012

Nach knapp 3.5h Fahrt, traf die Fähre in Moskenes ein. Ich deckte mich im Touristinfo mit nützlichen Informationen ein, und fuhr dann nach Å. Auf dem Weg dorthin, habe ich zwei Tramper aufgeladen. Clément und Alizée aus Frankreich. Sie machen einen 4-wöchigen Backpackertrip durch einige Länder Europas. In Å angekommen, gingen wir wieder getrennte Wege. Es sollte aber nicht das letzte Aufeinandertreffen sein – dazu später. Nach einiger Zeit in diesem kleinen Fischerdörfchen, fuhr ich wieder zurück nach Moskenes, wo ich auf einen Campingplatz ging. Schon bald stach mir ein Luzerner-Nummernschild ins Auge. Ich lernte Nicole und Sandro aus Ebikon kennen. Sie touren momentan mit ihrem Büssli durch Schweden und Norwegen. Gegen Ende Juli (so glaube ich), geht es für eine Woche zurück in die Schweiz, bevor sie dann ihr grosses Abendteuer durch die weite Welt starten werden. Wir assen gemeinsam Znacht. Sie sponserten den Lachs, den Salat, und das Dessert (!) – ich den Wild-Reis (wenigstens etwas). Bei „Chriiter“ und „Zwätschgä“ verbrachten wir noch einen gemütlichen Abend miteinander. Am nächsten Tag ging ich wieder auf eine Wanderung. Die Munkebu-Hütte war das Ziel. Die Tour war als mittelschwer beschrieben, und man gab eine 5-stündige Wanderzeit an. Klingt doch gut. Ich begab mich zum „starting point“. Ich folgte dem Pfad, und dachte nach einer Weile, dass das evtl. nicht der „richtige“ Weg sein könnte. Mit Hilfe der groben Routenbeschreibung und dem Bild, war es mir jedoch möglich, den Weg fortzusetzen, und später in den „richtigen“ Weg einzubiegen. Jaja, ich habe immer noch etwas mit diesen Wanderwegen zu kämpfen ;). Mich nahm es Wunder, wie gross (zeitlich gesehen) mein Umweg war. Nach 2.5h kam ich bei einem Berg vorbei. Oben auf dem Gipfel sah ich 2 Personen stehen. Hmm, soll ich jetzt meinen Weg zu dieser Hütte weitergehen, oder soll ich stattdessen auf einen Gipfel? Die Antwort war schnell klar: Gipfel! Ich drehte nach rechts ab, und ging den Berg hoch. Nach 30 min. war ich oben, und konnte eine herrliche Aussicht geniessen. Nach einiger Zeit machte ich mich wieder auf den Rückweg. Dieses Mal auf dem offiziellen Pfad. Bereits 1.5h später stand ich wieder vor meinem Bus. Da bin ich wohl auf dem Hinweg eine Stunde im „Gaggo“ umhergeirrt. War ja auch ein Erlebnis :). Ich setzte mich ins Auto und fuhr weiter nach Norden. In Reine machte ich einen kurzen Stopp. Es hiess nämlich, dass dieses 1400-Seelendorf mit seinen Kontrasten zwischen spitzen Berggipfeln und klarem Wasser malerisch sei. Es war auch wirklich ganz hübsch. Reine war jedoch noch nicht mein Tagesziel. Ich wollte noch weiter in Richtung Svolvær fahren (das ist übrigens die Hauptstadt der Lofoten), und irgendwo unterwegs auf einem Campingplatz übernachten (ich brauchte eine Dusche nach dieser Wanderung). Irgendwie bin ich schlussendlich in Unstad gelandet. Ich sah den Wegweiser, und habe mich erinnert, dass ich irgendwo gelesen habe, dass man dort surfen könne. So dachte ich, dass es dort sicher ein Campingplatz an schönster Meerlage haben würde. Als ich dort ankam, fuhr ich an den Strand, wo ich andere Fahrzeuge und Zelte sah. Ich suchte mir ein passendes Plätzchen, und spazierte zum Strand. Und tataaaa, wer traf ich dort? Clément und Alizée! Ich begrüsste sie freundlich, und mir wurde sofort eine heisse Schokolade und Kekse angeboten. Ich fragte sie, wie sie um Himmelswillen hier hergekommen sind. Es war nämlich eher unrealistisch, dass sie den ganzen Weg hierher gewandert sind. (Kleine Bemerkung am Rande: Unstad liegt nicht auf der Hauptstrasse, sondern an einem Inselzipfel der Lofoten). Sie erzählten mir, dass sie einen Norweger kennenlernten, mit dem sie bis nach Svolvær fahren können. Er, der Norweger, habe vorgeschlagen nach Unstad zu gehen, um dort gemütlich am Strand zu Abend zu essen. Kurz darauf tauchte Erik, eben dieser Norweger, auf. Die zwei Franzosen fanden es super, dass sie mit „ihren“ zwei Helfern einen gemütlichen Abend am Strand verbringen konnten. Clément, Alizée und Erik haben sich dann entschieden, ebenfalls die Nacht in Unstad zu verbringen, und morgen weiter nach Svolvær zu fahren. Sie richteten ihre Zelte neben meinem Büssli auf. Ich wollte ja eigentlich noch duschen gehen. Ich hatte mir bereits zuvor die Beine und Füsse im Meer gewaschen. Da das Wasser nicht arschkalt, sonder nur kalt war, entschied ich mich, im Meer baden zu gehen, um wenigstens das Gefühl zu haben, mich gewaschen zu haben :). Erik sagte, ich solle auf ihn warten, er wolle auch ins kalte Nass. Es war eher eine kurze Angelegenheit. Schnell hinein, etwas waschen, den Kopf unter Wasser, und wieder raus. Wir wagten uns dann noch ein zweites Mal hinein. Trotz Kälte war es herrlich. Wir fühlten uns wie Wikinger ;). Den restlichen Abend verbrachten wir alle in meinem Wohnzimmer. Wir genossen die Mitternachtssonne, tranken Bier, etwas Schnaps, und heisse Schokolade mit Cognac. Wir quatschten fast die ganze Nacht hindurch. Um ca. 5.00h verliessen meine Gäste die gute Stube. Wir hatten einen amüsanten Abend zusammen! Was für Zufall, dass ich wieder auf diese zwei Tramper gestossen bin!



Elch, Mitternachtssonne & norwegische Gastfreundschaft

18 07 2012

Ein weiterer sonniger Tag erwartete mich. Ich entschloss mich für einen gemütlichen Tag. Nach dieser gestrigen Wanderung haben sich meine Beine etwas Erholung verdient. Ich fuhr zum Saltstraumen, dem grössten und stärksten Gehzeitenstrom Europas. Alle 6h werden enorme Wassermassen mit bis zu 40km/h durch den 3km langen und nur 150m breiten Sund gepresst – eindrücklich. Gegen Abend fuhr ich nach Bodø. Von hier fahren nämlich Fähren zu den Lofoten. Ich wusste noch nicht, ob ich 1 oder 2 Nächte in Bodø bleiben würde – je nach Wetter. Ich hörte von diesem wunderschönen Aussichtspunkt etwas ausserhalb des Städtchens. Der Typ im Tourist Office riet mir, die Mitternachtssonne dort zu erleben. Gegen 21.00h fuhr ich zum Parkplatz, wo man den „Aufstieg“ zum Aussichtspunkt startete. Ich habe dann zugleich entschlossen, die Nacht auf diesem Parkplatz zu verbringen. Ich packte etwas zu trinken, die Digicam und ein Buch in meine Tasche, und ging mit gemächlichen Schritten los. Als ich dann zu einem kleinen See kam, machte ich es mir auf der Parkbank bequem, und begann zu lesen. Es dauerte ja noch eine Weile bis Mitternacht sein würde. Als ich so am Lesen war, hörte ich es im See plätschern. Ich habe kurz aufgeschaut, und einen Hund vor mir im Wasser spielen sehen. Ca. 15 min. später plätscherte es wieder im Wasser. Ich dachte, dass es wohl wieder ein Hund sei. Das Geräusch hielt aber an, und ich hörte kein Herrchen/Frauchen. Ich schaute wieder auf. Und was sah ich? Einen jungen Elch!! Nur etwa 4m von mir entfernt. Booaaaah, cooool! Ich machte schnell ein paar Fotos und zog mich dann zurück. Es könnte ja die „böse“ Elchmamma auftauchen. Ich ging etwas weiter hoch, machte es mir auf einem Stein bequem, und fing wieder an zu lesen. Als die Mitternacht näher kam, nahm ich noch den letzten Teil bis zum Aussichtspunkt in Angriff. Es war ein eindrückliches Panorama. Ich kam ins Gespräch mit einer norwegischen Familie. Vor allem mit Reinar (der Familienvater) und seiner Schwester Cecilie. Sie waren beeindruckt von meinem Vorhaben. Ich fragte sie, ob sie mir hier in der Nähe eine Wanderung empfehlen könnten. Sie machten mir zwei Vorschläge, und erklärten mir die Wege zu den Ausgangspunkten. Reinar fragte, wo ich schlafen würde. Nachdem ich es ihm gesagt habe, hat er gesagt, dass ich sonst auch in ihrem Clubhaus schlafen könne. Dort habe es auch ein WC und eine Dusche. Clubhaus? Reinar und Cecilie sind leidenschaftliche Töfffahrer. Sie sind Mitglieder des BMC (Bodø Motorbike Club). Ich dankte ihnen vielmals für das Angebot, und dass ich morgen nach der Wanderung von ihrem Angebot gerne Gebrauch machen würde. Nach dem gemeinsamen „Abstieg“, tauschten wir Telefonnummern. Ich solle morgen nach der Wanderung einfach anrufen, sagte Reinar. Ich war beeindruckt von dieser Freundlichkeit. Nach einer ruhigen Nacht mir hervorragender Aussicht, machte ich mich auf den Weg nach Skaug. Dort befand sich der Aussichtspunkt, um den „Steigtind“ zu besteigen. Es war eine schöne Wanderung. Ich habe mich zwar Verlaufen, fand aber nach einer Stunde wieder zurück auf den richtigen Weg :). Ich muss mich immer noch ein bisschen an die norwegischen Wanderwege gewöhnen. Die Aussicht war super. Ich genoss einige Zeit auf dem Gipfel, bevor es wieder runter ging. Als ich beim Büssli ankam, telefonierte ich Reinar. Ich hoffte, dass sein gestriges Angebot wirklich ernst gemeint war. Er antwortete sein Telefon, und war sofort wieder so sympathisch wie am Tag zu vor. Na klar, könne ich eine Dusche im Clubhaus nehmen. Er beschrieb mir den Weg dorthin, und 15 min. später trafen wir uns dort. Seine Schwester Cecilie war auch da. Sie führten mich durch das Clubhaus, zeigten mir Dusche, WC, Küche, Aufenthaltsraum, Lagerraum und Garage. Ich könne hier so viele Tage verbringen, wie ich wolle. Ich war ihnen extrem dankbar. Als Zeichen der Dankbarkeit erhielten sie je eine Tafel Schokolade (zum Glück habe ich noch nicht alle selber gegessen :)). Nach einer warmen Dusche, machte ich es mir im Clubhaus gemütlich, und entschied die Nacht hier drin auf dem laaaaangen Sofa zu verbringen. Ich lag schon bald im Schlafsack. Ich wollte am nächsten Morgen um 6.00h die Fähre nach Moskenes (Lofoten) nehmen. Diese frühe Fähre ist nämlich etwas günstiger, und man kriegt einen Kaffee umsonst :). Ich reihte mich um 5.20h in die Fährenkolonnen ein. Es waren schon viele Autos dort. Leider zu viele. Ich musste auf die nächste Fähre (11.15h) warten. Jänu! Ich richtete das Bett im Bus ein, und legte mich noch einmal aufs Ohr.