Belgien hat es in sich…

29 05 2012

Freitag. Der Tagesausflug nach Brugge stand auf dem Programm. Es war auch wieder ein Tag, wo Regula und ich etwas aufgeregt waren. Zum dritten Mal wussten wir nicht genau, was uns erwarten wird. Wie wird die Begegnung mit Elke und Matti sein? 9-10 Personen? Was werden das für Leute sein? Ein israelisches Abendessen? Wie das wohl sein wird? Fragen, über Fragen, die wir uns im Verlaufe des Tages immer wieder lachend stellten. Wir sind da einfach bei Leuten eingeladen, die wir noch nie gesehen haben. Das ist doch so richtig aufregend! Zurück zu Brugge. Neben der Altstadt, besuchten wir dort das Schokoladenmuseum. Belgien hat ja nach der Schweiz die zweitbeste Schokolade der Welt. Und das stimmt :). Dieses Städtchen hat uns ebenfalls gut gefallen. Ziemlich ähnlich wie Antwerpen, nur kleiner. Als wir uns auf den Weg nach Gent machten, kauften wir unterwegs noch zwei Flaschen Rotwein, dass wir nicht mit leeren Händen vor der Tür stehen werden. Wir waren die ersten Gäste. So lernten wir Elke, Willem (ihr Freund) und Zud (der Israeli) kennen. Zud war ein „Couchsurfer“. Schon bei Lut erfuhren wir, dass „couch-surfing“ in Belgien sehr populär ist. Beim „Couchsurfen“ übernachtet man bei Privatpersonen auf der ganzen Welt gratis. Man muss jedoch registriert sein, um das machen zu können, und als Gegenleistung ebenfalls ein Bett/eine Couch anbieten. Man muss weder Essen, oder sonst etwas zur Verfügung stellen. Es verpflichtet einen wirklich nur zu einem Schlafplatz. Lut und Willy haben das schon einmal ausprobiert. Sie übernachteten einige Tage in New York und Kanada auf diese Weise. Auch hatten sie schon Besucher aus der Türkei und aus Frankreich bei sich. Interesting!

Wie schon gesagt, ist Zud ein „Couchsurfer“. Er hatte die 4-jährige militärische Ausbildung in Israel abgeschlossen, reist jetzt seit einem Jahr durch die Welt (nicht nur couchsurfing), und fängt dann irgendwann sein Studium an. (Ingenieur, oder so). Wusstet ihr, dass in Israel die 4-jährige Militärausbildung auch für Frauen obligatorisch ist? Scheenä gsi, krassi Sach!

Etwas später stiess dann Norra dazu. Sie ist eine Reisebekannschaft von Elke, die per Zufall auch in Gent lebt. Als nächste kam Anne (? Bin mir nicht sicher ob das wirklich ihr Name war, aber jetzt heisst sie halt so) herein. Eine alte Schulfreundin von Elke. Und eine ganze Weile später trafen Matti und sein Kumpel Steven ein. Regula und ich hatten schon richtig Hunger! Wie konnten wir ahnen, dass wir erst gegen 22.00h essen, obwohl uns gesagt wurde, wir sollten um 19.00h kommen?! Zum Glück hatte es Chips :). Das Israeli-Essen mundete. Das eine oder andere war zwar etwas speziell im Geschmack, aber das war ja nicht anders zu erwarten. Zum Essen tranken wir Wein – viel Wein. Später gab es dann noch Bier, und wir holten den Schnaps (Zwätschgä) im Bus. 7 von 9 Personen wollten äs Zwätschgä. Aber es schmeckte schlussendlich nur 4 Personen. Jänu. Inzwischen war die Zeit recht vorangeschritten. Und als wir uns dann entschieden, noch in den Ausgang zu gehen, war es bereits 3.00h. Norra, Steven, Matti, Regula und ich gingen zusammen in einen barähnlichen Club. Wir amüsierten uns bestens. Kein Wunder war es schon hell, als wir aus der Bar kamen. Die Uhr zeigte 7.30h – Zeit, fürs Bett. Vor allem für mich. Gäll, Regula :)! Ich sag nur eines: Das belgische Bier hat es in sich! Wie schon gesagt: 7% Vol. aufwärts! Und wenn dann noch so eine Kollegin auf die Idee kommt, um 7.00h eine Tequillarunde zu offerieren, und Matti gleich noch eine Runde drauflegt…Einige litten am Samstag mehr, einige weniger. So war es dann halt ein verschlafener Samstag. Am frühen Abend war Matti noch unser Personal Tourguide durch Gent. Auch eine Stadt, die Regula und ich wieder besuchen würden. Matti war am Abend bei Freunden zum Essen eingeladen. Kurzerhand hat er seinen Freund angerufen, und gefragt, ob noch zwei Personen mehr kommen könnten. Und weil die Belgier so offen sind, war das natürlich kein Problem. Uns erwartete also wieder ein Abendessen mit 5 fremden Leuten. Exciting! Da wir (Regula und ich) uns schon etwas komisch fühlten, einfach so zu einem Abendessen unter Freunden zu gehen, wollten wir dem Gastgeber etwas mitbringen. Da es zu spät war, um etwas zu kaufen, brachten wir halt einfach Schweizer Schokolade. Das schien zu gefallen. Wir lernten also Sam, Tim und 3 Frauen kennen. Komisch, dass ich mich nur an die männlichen Namen erinnern kann ;). Alle waren total nett, und bemühten sich auch untereinander in Englisch zu unterhalten. Flämisch ist zwar gar nicht so schwierig zu verstehen. Wenn man gut hinhörte, verstand man mindestens um was das Gespräch gerade ging. Später gingen wir alle zusammen in den Ausgang. Da Regula und ich sehr wahrscheinlich früher nach Hause gehen würden, als Matti, fuhr ich. Wir luden Matti’s Bike in meinen Bus. Später kam dann auch noch Tim’s Bike dazu. So fuhren wir (Regula, Matti und ich) zum Club, und trafen die anderen dort. Es war ein anderer Club als am Vorabend, und bei weitem nicht so gut. Um ca. 3.30h verliessen Regula und ich den Club, und Matti holte sein und Tim’s Bike aus dem Bus. Da wir überhaupt keinen blassen Schimmer hatten, wie wir in dieser Dunkelheit, und in dieser fremden Stadt zu Matti’s Wohnung finden sollten, kriegten wir Matti’s GPS. Jaaa, ich brauchte ein GPS. Aber ohne das wäre es extrem mühsam gewesen, die Wohnung zu finden. Ich hatte keine Lust, um 3.30h noch lange nach dem Weg zu suchen. So kamen wir schon bald bei seiner Wohnung an, und gingen schlafen. Wir wollten nämlich bereits wieder zwischen 9.30-10.00h Richtung Rotterdam aufbrechen. Um 7.30h hörten wir Matti heimkommen, haha. Kurze Zeit später standen wir auf, duschten, assen unser Frühstück, schrieben einen Dankeszettel, legten eine Packung „Ovochräpfli“ auf den Tisch, und verschwanden. Wir hatten eine suuuuper Zeit in Belgien. Dieser Aufenthalt wird stets in guter Erinnerung bleiben :)!!!



Belgien – extreme Gastfreundschaft

26 05 2012

Belgien – ebenfalls ein Land, von dem wir kein grosses Wissen hatten. Aber dieses Land sollte uns in seeeehr guter Erinnerung bleiben :). Wir fuhren nach Geraardsbergen, wo wir eine alte Kollegin, Lut, von meinem Mami besuchten. Ich kannte Lut und ihr Mann Willy nur von Briefen, Fotos und dem Weihnachtspaket, das wir jedes Jahr erhielten (oder immer noch erhalten). Regula und ich waren wieder etwas aufgeregt, und hofften, dass wir keine grosse Schwierigkeiten haben werden, das Haus zu finden. Aber wir waren ein super Team. Es gab nichts, was wir nicht finden konnten :). Als wir in die Einfahrt einfuhren, kam uns bereits Lut mit offenen Armen entgegen. Sie erfreute sich sichtlich an unserem Besuch. Nach einer herzlichen Begrüssung, erfuhren wir, dass Willy ab heute pensioniert ist. Ausserdem sagte mir mein Mami noch per Mail, dass Lut am folgenden Tag ihren Geburtstag feiern wird. Das war uns doch nirgends recht, dass wir an diesen speziellen Tagen einfach so hereinplatzten. Aber Lut und Willy freuten sich, diese Tage mit uns zu verbringen.  Wir plauderten über Dieses und Jenes und sahen uns alte Fotos an. Ich musste schon schmunzeln, als ich mein Mami und mein Gotti in jungen Jahren sah. Lut erzählte mir mit strahlenden Augen von dieser Zeit…Später wurden wir zu Tisch gebeten, und es wurde uns eine belgische Spezialität aufgetischt. Mhmmmm! Gegen Mitternacht gingen wir dann langsam zu Bett. Das erste Mal, dass Regula und ich nicht im gleichen Raum schliefen. Am nächsten Morgen (Lut’s Geburtstag) besuchten wir mit ihnen eine Mozartmesse. Das war ein Gottesdienst mit musikalischer Begleitung. Anstatt den normalen Gebetsliedern, umrahmte ein Orchester mit einem Chor zusammen die Messe mit Mozartliedern. Eine Freundin von Lut sang im Chor mit, und deshalb gingen wir in diese Mozartmesse. Anschliessend lud uns diese Freundin, Lydia, auch gleich zum Apéro ein. Danach gings zurück zum Haus, wo es Lunch gab. Am Nachmittag besuchten wir einige schöne Plätze in Geraardsbergen. Die Sonne scheinte, und wir genossen den wunderschönen Nachmittag. Auf dem Nachhausweg machten wir noch einen Stopp bei Lut’s Mutter. Sie ist 94 Jahre alt, und lebt noch immer alleine in ihrer Wohnung. Lut und ihre Schwester erledigen die Einkäufe, kochen und helfen beim Putzen. Die Oma hatte Freude, Besuch aus der Schweiz zu haben. Sie ist noch „rüstig“, und machte einen fitten Eindruck. Als wir dann ein Foto machen wollten, sagte sie ganz verlegen, dass wir keine Fotos machen sollen, sie hätte noch keine Zeit gehabt zum Frisör zu gehen, und warf die Hände vor das Gesicht :). Auch im Alter hat man eine gewisse Eitelkeit, hehe.

Am Vorabend haben wir Lut gesagt, dass wir sie an ihrem Geburtstag gerne bekochen würden, wenn sie nicht schon andere Pläne für den Abend haben würde. Gerne nahm sie unser Angebot an. Ihr könnt euch ja schon vorstellen, was wir Lut und Willy auftischten. Ja, genau: Älplermagronä mit Apfelmus. Ihnen schmeckte es so gut, dass ich Lut das Rezept aufschreiben musste/durfte. Schon wieder war ein Tag vergangen, und wir krochen zufrieden unter die Bettdecke. Brüssel stand auf dem nächsten Tagesprogramm. Lut fuhr uns freundlicherweise zum Bahnhof in Geraardsbergen, wo wir den Zug Richtung Brüssel bestiegen. Die Fahrt dauerte eine Stunde, glaube ich. Bin mir jetzt nicht mehr ganz sicher… Leider hatten wir dieses Mal kein Wetterglück. Es war bis ca. um 14.00 Uhr trocken, aber dann regnete es pausenlos. Doch der Regen trübte die Schönheit der Stadt nicht. Da Brüssel sehr weitläufig ist, haben wir uns entschieden, ein Tagesticket für einen dieser Touristenbussen zu lösen. Das erste Mal, dass wir eine Stadt nicht nur zu Fuss erkunden. Die Stimme im Ohr beschrieb uns dann die verschiedenen Gebäude und Skulpturen beim Vorbeifahren. Wir stiegen aus, erkundeten etwas die Umgebung, und stiegen beim nächsten Bus wieder ein. So verbrachten wir einen schönen Tag in Brüssel. Obwohl mir Brüssel gefallen hat, hat sie es nicht in die Top 3 meiner „favorite cities“ geschafft. Das sind immer noch: Barcelona, Lissabon und San Sebastian. Willy holte uns am Abend am Bahnhof in Geraardsbergen ab. Bald darauf gab es das Abendessen. Wieder eine Landesspezialität – belgische Fritten. Weder Regula, noch ich haben je etwas von diesen Pommes-Frites gehört. Es sind selbst gemachte, seeeehr leckere Pommes. Regula konnte fast nicht genug davon kriegen ;). Dazu gab es einen schmackhaften Fisch mit Gemüse. Wir liessen den letzten Abend bei den überaus gastfreundlichen und sympathischen „Gasteltern“, Lut und Willy, mit einem „Zwätschgä“ ausklingen. Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück, räumten wir unser Hab und Gut wieder in den Bus ein. Beim Abschied erwartete uns noch eine Überraschung. Lut überreichte uns ein schweres Paket. Ein Überlebungspaket, wie sie es nannte :). Dazu gab es noch Milch, Zutaten für den Lunch und 4 oder 5 Gläser selbst gemachte Konfitüre. Mir fehlten die Worte. Mir war das schon fast etwas unangenehm, so beschenkt zu werden. Aber ich nahm diese Geschenke natürlich tausendmal dankend an.

Unser Plan der Weiterfahrt hatte sich in der Zwischenzeit etwas geändert. Lut hatte eines Abends mit ihrer Tochter, Elke, telefoniert. Elke sagte Lut, dass Regula und ich doch noch nach Gent kommen sollen. Sie hätten gerade Besuch aus Israel, und der Israeli koche am Freitagabend ein israelisches Abendessen, zu dem wir auch kommen können. Es werden ungefähr 9-10 Leute kommen. Unter anderem auch Matti (der Sohn von Lut u. Willy), der auch in Gent wohnt. Hmmm, das konnten wir uns doch nicht entgehen lassen. Da Gent eigentlich nicht auf unserem Routenplan stand, mussten wir unsere Weiterfahrt etwas abändern. Darunter musste nun halt Holland leiden, da wir jetzt mehr Zeit in Belgien verbringen werden, als ursprünglich geplant war. Unser neuer Streckenplan sah dann so aus: Donnerstag Antwerpen, Freitag Tagesausflug nach Brugge, und am Abend nach Gent zum Abendessen. Samstag Besichtigung von Gent. Samstagabend, oder Sonntagmorgen Weiterfahrt nach Rotterdam (Holland). So verliessen wir also das gemütliche Heim von Lut und Willy, und fuhren nach Antwerpen. Ein wunderschönes Städtchen, sag ich euch. Innert 40 Minuten war man vom Campingplatz im Stadtzentrum. Wir flanierten dann von Gasse zu Gasse, und machten im einen oder anderen Laden Halt. Im North Face Shop ergatterte ich dann ein Schnäppchen. Mit Regula hatte ich natürlich eine Fachperson bei mir, die mir fachliche Auskunft über diese Jacke geben konnte. Natürlich war da auch noch Verkaufspersonal, aber Regula genügte mir :). Da ich eh eine neue Jacke brauchte, ich habe bewusst eine Ältere mitgenommen, kaufte ich diese zum halben Preis. Statt 300 Euro, nur noch 150 Euro. Nur knapp 190 CHF für eine funktionelle NorthFace-Jacke – das ist doch ein super Schnäppchen. Bevor es zurück zum Camping ging, gönnten wir uns noch einen Aperitif. Nachos mit Bier :). Hier lernten wir zum ersten Mal das „Bierland“ Belgien kennen. Wir wussten nämlich nicht, dass Belgien über 100 verschiedene Biere produziert. So ging die Qual der Wahl los. Wir fragten  dann die Servierdüse um Rat. Schlussendlich entschied ich mich für ein „Duvel“ und Regula für ein „La Chouffe“. Die Servierdüse erklärte uns dann noch, dass das nicht normale Biere seien, sondern über 7% Vol. haben. Wir sollten also langsam trinken… Man spürte den Alkohol natürlich schon mehr, als bei einem normalen Bier. Aber wegen einem Bier fallen wir ja nicht gerade vom Hocker.

Als wir zurück in unser Wohnzimmer stiegen, fiel mir das Überlebungspaket von Lut ins Auge. Auspackeeeeeeen! Das was wie Weihnachten. Wir konnten unseren Augen kaum trauen, als wir das Paket geöffnet hatten. Da war jetzt wirklich alles drin, und soooo viel! Sekt, Weisswein, Rotwein, versch. Pasta, getrocknete Tomaten, Risotto, Suppe, Sardinen u. Thunfisch in Dosen, Gewürze, Schokolade, Kekse,… kein Wunder war das Paket so schwer! Wir starrten die Lebensmittel nur so an, und strahlen über das ganze Gesicht. Wow, mit so etwas hatten wir überhaupt nicht gerechnet! Wie lieb ist denn das?! Wir bedankten uns später noch mal herzlich mit einer Postkarte bei Lut und Willy. Welch grosszügige Menschen das sind!



Gastfreundschaft und unbekanntes Luxembourg

24 05 2012

Nun bin ich also in Grönland, und geniesse meine 2.5 Wochen Ferien :). Hier habe ich wieder einmal Zeit, den letzten Monat in Erinnerung zu rufen. Während den letzten 4 Wochen habe ich wirklich viel gesehen und erlebt. Ich fasse das alles möglichst kurz und verständlich zusammen, sonst würde es nämlich Romane geben…

Regula kam am 22. April in Bordeaux an. Die dreiwöchigen Reise durch 5 Länder (Westfrankreich, Luxembourg, Belgien, Holland und Norddeutschland) konnte also beginnen. Juhuuuiiii! Wir verbrachten die Nacht noch in der Nähe von Bordeaux, fuhren dann aber bereits am nächsten Tag weiter nach Nantes. Unterwegs machten wir noch einen Abstecher auf die île d’Oléron, die uns sehr gefallen hat. Diese Insel ist bekannt für ihre Austernzucht. Wir haben uns dann aber für normale Muscheln entschieden. Und so genossen wir ein leckeres Mittagessen auf der île d’Oléron. Die Stadt Nantes hat uns ebenfalls gefallen. Die alten, steinigen Gebäude, die Gassen und der Charme von Nantes hat uns sofort verzaubert. Nach zwei Nächten auf einem super Campingplatz ging es weiter in die Bretagne. Geanuer gesagt nach Brest, oder besser in die Nähe von Brest. Dort wussten wir nicht so genau, was uns erwarten wird…Wir wussten nur so viel: 3 Jungs (Regula kannte einen von ihnen – Valentin), die Adresse zu ihrem Haus, und dass wir sehr wahrscheindlich zwei Nächte dort verbringen werden. Wir waren schon etwas aufgeregt, als wir uns auf den Weg machten. Wir fuhren aber nicht auf direktem Weg dorthin, sondern machten noch zwei kurze Stopps. Den einen in St. Nazaire, und der andere in Guérande. Guérande ist bekannt für seine Salzgärten an der Atlantikküste.

Wir waren schon etwas aufgeregt, als wir unserem Ziel immer näher kamen. Werden wir das Haus wirklich finden? (Ich fahre ja noch immer ohne Navi…) Was sind das für Jungs, mit denen wir die nächsten Tage verbringen werden? Die Freude war gross, als wir den Bus beim richtigen Haus parkten. Kurz darauf erschien auch Valentin. Etwas später besichtigen wir das Haus. Ein wirklich cooles, grosszügiges Haus, das Valentin, Florent und Thibaud bewohnen. Obwohl Regula und ich sagten, dass wir draussen im Bus (oder dans „le camion“, wie die Jungs sagen würden, hehe) übernachten können, überliess uns Valentin sein Zimmer, und quartierte sich für die zwei Nächte bei Thibaud ein. Die drei Jungs studieren zusammen Maschinenbau, und haben jetzt noch ein Jahr vor sich. Es sind wirklich flotte, zuvorkommende und gut erzogene Burschen. Wir waren wirklich erstaunt. Nach einem gemütlichen Abend mit etwas Wein (so lässt sich Französisch leichter sprechen 😉 ), fielen wir müde ins Bett. Am nächsten Nachmittag zeigte uns Valentin einige schöne Orte an der Küste. So verbrachten wir einen sonnigen, aber sehr windigen Nachmittag. Am Abend bekochten wir die Drei mit Älplermagronen und Apfelmus. Nach den ersten skeptischen Bissen, schmeckte es ihnen. Puuuuh, Glück gehabt ;). Später backten wir noch den Schockokuchen in der Bratpfanne, und offerierten wir ihnen „äs Zwätschgä“. Das mundete ihnen ebenfalls, und so verbrachten wir wieder einen gemütlichen Abend zusammen.

Am nächsten Morgen brachen wir wieder auf. Es erwartete uns eine etwas längere Fahrstrecke. Unser eigentliches Ziel war bereits Luxembourg. Aber da die Stadt noch etwas weit weg war, entschieden wir uns, ungefähr in der Mitte der Strecke zu übernachten. In meinem Stellplatzführer haben wir dann nach einem Stellplatz mit WC und Elektrizität gesucht. In einem kleinen Dörflein namens Heutreauville, haben wir dann einen passenden gefunden – dachten wir zumindest. Aber dazu später… Auf dem Weg zu dem besagten Dörflein, befolgten wir den Rat unserer neuen Freunde, und besuchten Le Mont-Saint-Michel. Das ist eine kleine Insel, die vom Benediktinerkloster dominiert wird, das zuoberst auf der Insel erbaut wurde. Wir erfuhren, dass es dort nur 44 Einwohner hat, und man zum grössten Teil vom Tourismus lebt. Weiter gehört Le Mont-Saint-Michel zum Weltkulturerbe der UNESCO, und seit 1998 wird dieser Ort als Teil des Jakobsweges in Frankreich aufgelistet. Dieser Ort war auf jeden Fall einen Stopp wert. Gegen Abend erreichten wir Heutreauville. Der Stellplatz war sehr gepflegt und lag direkt an der Seine. Ich fragte dann den Monsieur: „Où sont les toillettes?“. Er antwortete erstaunt: „Il n’y a pas des toillettes“. Regula und ich schauten uns nur so an, und dachten: Shiiiit!!! So mussten wir uns halt etwas in Körperbeherrschung üben. Nach dem Abendessen gingen wir auf einen Spaziergang, und waren froh, dass Heutreauville wirklich ein kleines, kleines Dorf ist, mit wenig Leuten und Wald entlang der Seine :)…wir sind ja nicht heikel. Am nächsten Morgen verdrängten wir unseren Toillettengang bis zum nächsten McDonald’s, wo es dann ein „coffee to go“ mit auf den Weg gab. Während der Fahrt nach Luxembourg machten wir in Reims einen kurzen Stopp, um uns die Beine etwas zu vertreten. Es stellte sich heraus, dass auch Reims ein schönes Städtchen ist. Was wird und Luxembourg bieten? Wir beide wussten eigentlich nichts von dieser Stadt, geschweige denn von diesem Land. Welche Sprache spricht man dort? Französisch? Da es an Belgien und Frankreich grenzt. Oder vielleicht sogar Deutsch, weil es auch an Deutschland grenzt? Existiert Luxemburgisch? Wir wussten es nicht. Als wir in Luxembourg ankamen, fanden wir folgendes heraus: Luxemburgisch= Nationalsprache. Deutsch und Französisch= Amtssprachen. So, da haben wir wieder etwas gelernt. Die Stadt Luxembourg hat uns jetzt nicht vom Sockel gerissen. Sie ist ganz nett, und hat einige schöne Sehenswürdigkeiten. Aber der Charme hat uns gefehlt. Auf dem Weg nach Belgien, sind wir noch etwas durch die Landschaft von Luxembourg gefahren. Das Land wirbt für schöne Wanderungen, und dem werden sie wohl auch gerecht, denn wir sahen viele Wanderer. So liessen wir es uns nicht nehmen, eine kleine Wanderung zu unternehmen. Nach diesem gemütlichen Rundgang, stiegen wir wieder in unseren „Camion“, und liessen Luxembourg hinter uns.

Weitere Berichte folgen… 🙂

Liäbi Griäss, Madlene